Lebendige Geschichte

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Barbara Kiehl und Paul Kleist vor Bildern und Modellen der „Hohen Lauben“ und der „Niederen Lauben“. Fotos: cm

Was wird aus dem Archiv der Stadt Marienburg?

Von Christa Möller
Wandsbek. Sie ist der größte Backsteinbau Europas, hat eine wechselvolle Geschichte und zählt zu den beliebtesten Touristenattraktionen in Polen: Die mittelalterliche Marienburg in Malbork an der Nogat, 60 Kilometer südlich von Danzig. Im Laufe der Geschichte wechselte das Gebiet mit dem roten Klinkerbau mehrfach seine Besitzer. 1945 gehörten Stadt und Kreis Marienburg (heute Malbork) zu Deutschland. Die Marienburg wurde im 2. Weltkrieg schwer beschädigt, später aber von Polen wieder aufgebaut und ist seit 1997 UNESCO Weltkulturerbe.
Ein Modell des beeindruckenden Bauwerkes, viele Fotos und Urkunden über Stadt und Kreis werden heute in einem Hamburger Archiv gehütet. Aber was hat eine Ordensburg in Polen mit Hamburg zu tun? Wer weiß heute noch, dass die Hansestadt Hamburg 1930 die Patenschaft für den Kreis Marienburg in Westpreußen übernommen hat, „von dem Wunsche geleitet, die Verbundenheit Hamburgs mit den von dem übrigen Deutschland abgetretenen Gebieten des deutschen Ostens zu betonen“? Und dass diese Patenschaft 1952 wiederbelebt wurde und bis heute existiert?
Viele ehemalige Marienburger, die 1945 aus ihrer Heimat fliehen mussten oder vertrieben wurden, schlossen sich 1948 zusammen zum „Heimatkreis Marienburg“ (der übrigens kein Verein ist). Bis 2009 gaben sie einmal monatlich die „Marienburger Zeitung“ heraus, die heute als „Anhängsel“ in der Zeitung „Der Westpreuße“ erscheint. „Dabei hat die Verklärung der Vergangenheit im Heimatkreis Marienburg keinen Platz. Im Gegenteil. Seine Mitglieder wissen um die besondere Verpflichtung aller Deutschen für Frieden und Verständigung gerade mit unseren osteuropäischen Nachbarn“, betonte der damalige Bürgermeister
Henning Voscherau anlässlich des 40. Bestehens des Heimatkreises.
„Wir möchten das Kulturerbe erhalten und das Verhältnis zu Polen fördern“, sagt auch Barbara Kiehl. Sie stammt zwar aus Schlesien, hat aber mit ihrem 2008 verstorbenen Mann Heinz, der seine Jugend in Marienburg verbrachte, das Heimatkreisarchiv Marienburg in der Patenstadt Hamburg aufgebaut. Zur Sammlung gehören Dokumente und Informationen über Marienburger Persönlichkeiten, die Marienburger Eisenbahn, den Flughafen, ebenso wie die Kopie eines Gästebuches der Stadt aus der Zeit von 1916 bis 1945, Brieföffner, Bügel oder Teller, aber auch Bücher und Landkarten sowie Wissenswertes über die Schulen und die Synagoge. Der 1. und 4. Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Heinz Galinski, war übrigens Marienburger.
Inzwischen befindet sich das Archiv in Räumen der Gewerbeschule an der Angerstraße 33. Die Zahl der Heimatkreis-Angehörigen sinkt, in Hamburg sind es etwa 30, bundesweit ungefähr 300. Unklar ist deshalb auch die Zukunft des Archivs. „Die Stadt Malbork würde es gern haben“, sagt Barbara Kiehl. Denn dort gibt es kein Archiv.

Barbara Kiehl, Tel.: 602 48 42 Heimatkreis Marienburg
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