Lebenserinnerungen

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Arno Friese und seine Frau Luzi, Arno Friese: „In Brasilien hatte ich gute und schlechte Zeiten. Das Beste, was mir dort passiert ist, da habe ich meine Frau kennengelernt!“Foto: Bätz

Arno Friese: 100 Jahre alt und immer noch „eiserner Genosse“

Von Hubert Bätz
Oldenfelde. Arno Friese ist der „eiserne Genosse“, das „sozialdemokratisches Urgestein“ der SPD Rahlstedt. Seit 86 Jahren ist er Parteimitglied ist, in der vorvergangenen Woche feierte er seinen 100. Geburtstag. Friese trägt meistens am Revers seiner Jacke eine rote Nadel mit Parteiabzeichen. Es ist eine Ehrennadel, aber er könnte auch die Willy-Brandt-Medaille, die er 2005 erhielt. Friese ist mit Leib und Seele „Genosse“, denn das ist seit mehreren Generationen Familientradition. Sein Vater Otto Friedrich Friese war SPD-Bürgermeister von Vegesack, er wurde von den Nazis verfolgt und im KZ ermordet. Auch Arno Friese traf Verfolgung, sechs Wochen lang war er inhaftiert im Gefängnis Fuhlsbüttel. Kaum entlassen, heuerte er auf der „Windhuk“ an, und erstellte dort mit einem Fotografen die Bordzeitung. Die „Windhuk“ war damals eines der modernsten Passagierschiffe. 1939, wenige Monate vor Kriegsausbruch, stach sie von Hamburg aus in See zu ihrer 13. Reise nach Afrika. Es sollte ihre letzte werden. Am 26. August 1939, als die «Windhuk» vor Kapstadt ankerte, kam die Nachricht vom Kriegsbeginn. Die meisten Passagiere gingen damals von Bord. Die „Windhuk“ sollte eigentlich nach Deutschland zurück, aber der Treibstoff reichte nicht, und es war wegen der alliierten Schiffe zu gefährlich. Daher nahm man Kurs auf Argentinien, lief aber unter falscher Flagge und falschen Namen am 7. Dezember 1939 in Santos (Brasilien)ein. Damals war Brasilien neutral. Daher begann für die mehr als 240 Crew-Mitglieder zuerst „eine gute Zeit“, so Arno Friese, „denn unser Gehalt wurde nach Brasilien überwiesen.“ Alles änderte sich, als Brasilien im Januar 1942 die Beziehungen zu Berlin abbrach und im August desselben Jahres Deutschland den Krieg erklärte. Allen „Windhukern“ wurden die Papiere abgenommen, sie wurden bis Kriegsende in Internierungslager eingesperrt. So erging es auch Arno Friese, allerdings fand er nach der der Freilassung in Sao Paulo als Drucker Arbeit in einem renommierten Verlag. Hier stieg er bis zum technischen Leiter der Druckerei auf. Friese integrierte sich zusehends, 1948 heiratete er seine Frau,die Deutsch-Brasilianerin Luzi (96). 1963 trieb ihn aber das Heimweh nach Deutschland zurück. Seine Familie, mittlerweile gab es die Söhne Otto und Werner, ließ sich nach Zwischenstationen in Hamburg nieder. Hier arbeitete das Oldenfelder SPD-Mitglied bis zur Rente für den Springer-Verlag.
Arno Fries kennt natürlich auch das Wochenblatt, auf das er jede Woche wartet. Inzwischen lässt er es sich wegen seiner Augen vorlesen. Er sagt: „Mal sehen, ob da was Ordentliches drin ist, über Rahlstedt und die SPD“.
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