Lernen, persönliche Krisen zu meistern

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Maren Horlitz, re., Sozialtherapeutin mit Zusatzfach Musiktherapie, mit zwei Teilnehmern der Musikgruppe.
 
Susanne Etspüler leitet die Sozialpsychiatrie des Rauhen Hauses in der Region Wandsbek Fotos: Christa Möller

Treffpunkt Wandsbek: Beratung und Hilfe für psychisch erkrankte Menschen

Von Christa Möller
Hamburg. Aus zwei mach eins: Das Rauhe Haus hat seine Wandsbeker Angebote für Menschen mit psychischen Erkrankungen, die älter als 21 Jahre sind, seit kurzem an einem Standort, in der Nebendahlstraße 7, zusammengelegt. Zuvor verteilte sich das Angebot mit unterschiedlichen ambulanten Hilfen auf Bramfeld und Wandsbek.
Susanne Etspüler leitet das Regionalzentrum Wandsbek, zu dem die Treffpunkte in Wandsbek und Hummelsbüttel gehören, seit sieben Jahren. 55 Voll- und Teilzeitmitarbeiter, darunter Sozialpädagogen, Psychologen, Erggo- und Kunsttherapeuten. Die Diplompsychologin und Sozialpädagogin weiß, manche Menschen entwickeln starke Ängste, fühlen sich in der eigenen Wohnung nicht mehr wohl. Andere haben Beratungsbedarf, wenn nach schweren Erlebnissen in Kindheit und Jugend Vergleichbares später erneut passiert oder brauchen Hilfe bei Krisen, die durch familiäre Konflikte oder Probleme mit Freunden ausgelöst wurden. „Die ambulante Eingliederungshilfe ermöglicht es den Klienten, wieder selbstständig in eigenen Wohnungen zu leben oder in Wohnungen, die wir angemietet haben“, sagt sie. Unterstützung bekommen sie auch bei der Suche nach medizinischen Hilfen oder Behandlungsmöglichkeiten, außerdem erhalten sie Informationen über ihre Erkrankung und lernen, mit Hilfe von Krisenintervention die nächste Krise leichter zu meistern oder zu überwinden. „Wir bieten aber auch ganz praktische Unterstützung an zum Beispiel beim Einkaufen oder dabei, die Wohnung in Ordnung zu halten, sich ums eigene Geld zu kümmern oder Behördenpost zu erledigen.“

Kleine Arbeiten

Häufig seien die Klienten des Regionalzentrums aus dem Arbeitsprozess herausgefallen. Durch Arbeitstherapien lernen sie in unterschiedlichen Handwerksbereichen, mit kleinen Belastungen zurechtzukommen und so schrittweise wieder ins Arbeitsleben hereinzufinden. Auch im Küchenbereich gibt es Einsatzmöglichkeiten in der Essensvorbereitung, in der Spülküche und im Service.
Doch auch die Freizeitgestaltung fällt Betroffenen etwa mit Antriebs- oder Konzentrationsstörungen oft schwer, sie erhalten therapeutische Angebote unter anderem in den Bereichen Musik, Kunst, Theater oder Entspannung. Außerdem gibt es die Möglichkeit, monatlich an zwei Tagesausflügen oder auch an mehrtägigen Reisen teilzunehmen. Zur Zeit werden an beiden Standorten 130 Menschen aus dem Bezirk Wandsbek betreut, Tendenz steigend, denn seit April gibt es einen Kooperationsvertrag mit dem Träger Sanare, dessen Klienten an den Treffpunktangeboten teilnehmen können. Der Altersschwerpunkt liegt zwischen dreißig und fünfzig Jahren. Bevor das Angebot verändert wurde, hat das Rauhe Haus durch Befragungen der psychisch Erkrankten Klienten deren Bedürfnisse ermittelt. „Viele sind sehr vereinsamt, leben sehr zurückgezogen und brauchen Zeit, um wieder Vertrauen zu fassen.“ An der Nebendahlstraße 7 finden sie Gelegenheit, ein Netzwerk aufzubauen, das ihnen hilft, ihr Leben zu meistern. Dabei engagieren sich übrigens auch Betroffene, die nach einjähriger Fortbildung an der Uni-Klinik Eppendorf als Peer-Begleiter eigene Erfahrungen weitergeben können. Ferner gibt es sowohl Gesprächsreihen mit Betroffenen und Angehörigen als auch Beratung und Unterstützung für Angehörige.

Hilfesuchende können sich über das Angebot informieren bei Susanne Etspüler, Telefon 642187-0 oder per Email unter tpw@rauheshaus.de
Wer möchte, kann auch einfach mal im Treffpunkt Wandsbek vorbeischauen, mittwochs von 10 bis 18 und donnerstags von 10 bis 19 Uhr. Jeden Donnerstag findet von 16 bis 17 Uhr eine offene Sozialberatung statt.
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