Mit Allah und Jesus zur Einschulung

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Der Interreligiöse Einschulungsgottesdienst war ein Erfolg Fotos: Christina Birkner
 
Das Vorbereitungsteam mit Pastor Kurt Grieser sowie Vertretern der Fazle-Omar-Gemeinde und der Schule

Interreligiösität an der Schule am Eichtalpark

Von Christa Möller
Wandsbek. So einen Einschulungsgottesdienst gab’s für die ABC-Schützen der Schule am Eichtalpark noch nie: Etwa 45 Erstklässler erlebten diesen feierlichen Höhepunkt in der evangelisch-lutherischen Kreuzkirche an der Kedenburgstraße nicht nur mit Pastor Karl Grieser, sondern auch mit Vertreterinnen der Fazle-Omar-Moschee, der ältesten Moschee in Hamburg.
Der Hintergrund: Von den etwa 190 Grundschülern haben 75 Prozent einen Migrationshintergrund. „Wir haben eine ganz vielfältige Schülerschar und erkennen das als Reichtum an, den wir wertschätzen und mit dem wir gemeinsam umgehen“, erläutert Christina Birkner, Schulkoordinatorin für Inklusion und Ausbildung. Nicht umsonst lautet das Motto der Schule: „Wir halten zusammen - gemeinsam sind wir stark“.
Kissen statt Stühle
Seit einem Jahr hat die Schule einen etwas anderen Fachraum, der nicht mit Stühlen und Tischen, sondern mit Teppich und Kissen ausgestattet ist. Hier sitzen die Kinder im Kreis und können im Religionsunterricht unter anderem die Heiligen Schriften, egal ob Koran, Bibel oder Talmud kennenlernen. In diesem sogenannten interreligiösen und interkulturellen Lebens-Raum mit „Traumpavillon“ finden außerdem Sprachförderung, Soziales Lernen und Yoga statt, es werden aber auch Märchen erzählt. „Hier können die Kinder nach gemeinsamen Wurzeln gucken“, beschreibt Christina Birkner die Idee, die nun erstmals im interreligiösen Einschulungsgottesdienst ihre Fortsetzung fand.

„Es gab ein kleines Anspiel der dritten Klassen über die Abrahamsgeschichte.“
Christina Birkner, Schulkoordinatorin

Schon seit April hatte ein Team aus Vertretern der Moschee und der Schule sowie dem Pastor den 45-minütigen Gottesdienst vorbereitet. Auch 20 Eltern beteiligten sich an der Gestaltung. Los ging es mit Orgelmusik, anschließend wurde die 1. Sure aus dem Koran auf arabisch und deutsch rezitiert.
„Es gab ein kleines Anspiel der dritten Klassen über die Abrahamsgeschichte“, sagt Christina Birkner über den weiteren Verlauf. Abraham ist Glaubensvorbild der drei monotheistischen Religionen, zu denen das Christentum, der Islam und das Judentum zählen. Wichtig: Die Kinder mussten kein Gebet sprechen und keine Bekenntnisse ablegen.
Schule und Gemeinden feierten den Einschulungsgottesdienst erst jetzt, damit die Kinder die verschiedenen Lieder schon ein wenig üben konnten. Zum Abschluss nach Fürbitten, guten Wünschen und Segen erwartete die Erstklässler eine besondere Überraschung: Sie durften durch eine riesige, von den Drittklässlern gebastelte Schultüte springen. Für jeden ABC-Schützen wartete dahinter dann schon ein Drittklässler als Pate mit einer selbst gestalteten Namenskerze für die Grundschulzeit. Anschließend verteilten muslimische Frauen einen Spruch aus einer Koransure an die Kinder.
Konflikten vorbeugen
Die Fazle-Omar-Moschee in Stellingen sei sehr frauenfördernd. Sie verstehe sich als Begegnungsstätte für Interessierte aller Altersgruppen. Hier werde der Koran in friedvoller Lesweise ausgelegt“, weiß die Koordinatorin.
Durch Eltern- und Schülerkontakte entstand die Idee zum interreligiösen Einschulungsgottesdienst. „Interreligiosität ist ein ganz großes Schwerpunktthema an unserer Schule“, sagt Christina Birkner, die festgestellt hat, dass die häufigsten Gründe bei Problemen kulturelle und religiöse Konflikte sind, die oft auf Abgrenzung und Ängstlichkeit beruhen. Erste Erfolge seien schon zu spüren, sagt sie: „Wir haben weniger Gewalt an der Schule.“

Infos unter schule-am-eichtalpark
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2 Kommentare
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Stefan Schmidt aus Witzhave | 10.09.2013 | 12:53  
6
Gisela Schröder aus Billstedt | 11.09.2013 | 19:33  
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