Mit der 36 bis Gartenstadt

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Die Linie 36 im Jahre 1965 Foto: Hochbahn

Vor 60 Jahren ging der Vorreiter des Hamburger Bussystems in Betrieb

Wandsbek Waren das noch Zeiten, als es Musik im Bus gab und die Busfahrer weiße Handschuhe trugen. Diese Ära ist seit Jahrzehnten vorbei – aber bis heute „überlebt“ hat die Linie 36, die unter anderem den Hamburger Westen von seinen schönsten Seiten zeigt und bis Wandsbek Gartenstadt führte. Auf einer Teilstrecke führt sie von Blankenese über die Elbchaussee am Altonaer Rathaus vorbei bis zur Reeperbahn, anschließend passiert sie Michel, Musikhalle, Planten un Blomen und Staatsoper, bevor es dann an Binnenalster und Rathaus vorbei in die Innenstadt geht. Die Geschichte der besonderen Perle, die am 30. Oktober 1955 in Betrieb ging, liest sich rückblickend wie ein Spiegel der Entwicklung des Bussystems der Hamburger Hochbahn AG: Pendler profitierten über Jahrzehnte davon, dass neue betriebliche und technische Errungenschaften oft zuerst auf den Schnellbuslinien, zu denen die 36 bis heute gehört, zum Einsatz kamen, bevor sie auf andere Linien übertragen wurden.
Als umsteigefreie und vor allem schnelle Verkehrsverbindung in die Innenstadt für Fahrgäste aus den Außenbezirken geschaffen, bot die Linie 36 „bequem wie der eigene Wagen“ (Werbebotschaft aus dem Jahr 1958) Erste-Klasse-Service und Sitzplatz-Garantie. Von Anfang an wurde auf der 36er-Strecke von vorne herein im sogenannten Einmannbetrieb gefahren – der Fahrer verkaufte also zugleich auch Fahrkarten. Bis 1959 setzte sich das Prinzip dann auf allen Buslinien durch. Ab 1963 führte die Hochbahn zudem schrittweise den Sprechfunkverkehr zwischen den Bussen und den Disponenten an den Umsteigeanlagen ein. Als Weiterentwicklung folgte 1965 die automatische Standortübermittlung per Funk. Dieses System startete auf den Schnellbuslinien und wurde dann auf die Stadtbusse übertragen. Mitte der 1990er-Jahre dann der nächste Meilenstein: Die „30er“ Linien wurden als erste Busse der Hochbahn barrierefrei. Das Schnellbus-Konzept steht aktuell auf dem Prüfstand. Bis zur Entscheidung profitieren auf der 36 weiterhin rund 4.600 Fahrgäste täglich von dem Sitzkomfort und dem Blick auf den Hamburger Westen. (wb)
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