Morgenrunde ohne Treff

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Die „Morgenrunde“ beim Kaffeetrinken: Günther von Böhl (v.l.), Anita Klein, Bernhard Thiel, Ellie Schulz, Peter und Gudrun Schaefer sowie Helga Schumann Foto: Thiele

Ostern ist Schluss: Berner verstehen Schließung der Tchibo-Filiale nicht

Von Ulrich Thiele
Berne
Seit über drei Jahren trifft sich „Die Morgenrunde“ täglich ab 9 Uhr in der Tchibo-Filiale mit Kaffee-Bar an der Hermann-Balk-Straße in Berne auf einen Kaffee und Gebäck. „Wir sind eine lustige Runde von Rentnern aus Berne, die den Laden jeden Tag mit aufmachen, um den guten Kaffee und die Freundlichkeit der Mitarbeiter zu genießen“, erklärt der ehemalige Berufsfeuerwehrmann Peter Schaefer. Nun ist die Runde aber in Gefahr, ihren Standort zu verlieren: Am 26. März gehen die derzeitigen Betreiber der Filiale, ein Ehepaar aus der Umgebung, in Ruhestand. Einen Nachfolger gibt es nicht, stattdessen soll die beliebte Filiale dichtgemacht werden. Die Kunden, die sagen, erst spät von der Schließung erfahren zu haben, reagieren enttäuscht. „Das ist wirklich schade. Hier herrscht ein vertrautes Verhältnis zwischen den Kunden und den Mitarbeitern. Die Filiale ist eine Institution in Berne und gehört dazu wie der Wochenmarkt dienstags und freitags. Wenn man sich gemeinsam treffen will, fragt man gar nicht erst wo. Es gibt nur eine Antwort: „Bei Tchibo“, sagt Gudrun Schäfer während eines Treffens der Morgenrunde. Nicht nur die im Kern 14 Mitglieder der geselligen Runde scheinen das so zu sehen: Vorige Woche schickte Peter Schaefer im Namen der Morgenrunde einen Brief an die Unternehmensleitung in Hamburg mit einer angefügten Unterschriftenliste, auf der bis dahin 331 Kunden die Bitte um den Erhalt der Filiale mit ihrer Unterschrift unterstützen. Noch immer liegen Listen bereit; mittlerweile haben sich über 90 weitere Kunden eingetragen.
Tchibo Hamburg bestätigt währenddessen die Schließung: „Die Betreiber haben die Filiale wirklich toll geführt und wir sind ihnen sehr dankbar, dass sie das so lange und so erfolgreich gemacht haben. Sie waren ja wirklich eine Institution dort in Berne. Aber wir haben uns die wirtschaftlichen Perspektiven für diesen Standort angesehen und daraufhin beschlossen, die Filiale dort nicht weiterzuführen, wenn die beiden aufhören“, so der stellvertretende Unternehmenssprecher Andreas
Engelmann. Der Inhaber der Immobilie bedauert die Entscheidung des Unternehmens ebenfalls. Das Verhältnis zu Tchibo sei sehr gut gewesen, sagt Reza Ghalamkarizadeh. Er will das Ladengeschäft wieder vermieten und hätte auch gegen einen Café-Betreiber nichts einzuwenden. Interessenten dafür gibt es jedoch noch nicht. Und die „Morgenrunde“? Hofft insgeheim noch auf eine Umkehr beim Unternehmen. „Sonst müssen wir uns einen neuen Treffpunkt suchen“, sagt Peter Schaefer. Der Tag sollte schon mit einer gemeinsamen Tasse Kaffee beginnen.
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