Neues Asyl – Eltern in Sorge

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Auf dem städtischen Grundstück, Bahngärten 11, sollen 140 Menschen einziehen Foto: mt
 
Die Ansprechpartner des Abends (v.l.): Martin Leo von Fördern und Wohnen, Bezirksamtsleiter Thomas Ritzenhoff, Pressesprecherin Lena Voß, Bettina Prott und Svenja Gugat von der Sozialbehörde beantworteten die FragenFoto: kg

140 Flüchtlinge ziehen an Bahngärten. Rund 200 Besucher bei Infoabend

Von Karen Grell
Marienthal. Immer höhere Flüchtlingszahlen in Hamburg machen den Bezirken zu schaffen. Unterkünfte müssen her, so sagt es das Gesetz, und es gibt wenig freie Flächen in der Stadt, wo diese errichtet werden können. Deshalb setzen die Bezirke neben den mobilen Containern auch auf leer stehende Gebäude, die als Wohnstätten für Flüchtlinge und Obdachlose umfunktioniert werden sollen. Eine dieser Häuser sind die Gebäude an den Bahngärten, nahe der Grundschule Bovestraße in Marienthal. Auf dem Gelände sitzt zur Zeit die „hamburger arbeit“, ein städtisches Unternehmen das seit 30 Jahren Beschäftigungsmaßnahmen an Menschen ohne Arbeit vermittelt. Eine gute Lösung für die Politik, mit gleich 140 Plätzen, eine schlechte Möglichkeit aus Sicht einiger Eltern der Grundschule Bovestraße, die bald ein Chaos in den Klassen vermuten.

Eltern äußern Bedenken

Nicole Dietrich vom Elternrat meldete sich deshalb auf einer Infoveranstaltung zu Wort, um die Bedenken der Eltern kundzutun. Rund 200 Interessierte waren zu dem Abend ins Bezirksamt gekommen. Dietrich fragte: „Wie viele zusätzliche Schüler werden in die Klassen eingeschult und wie werden diese unterstützt bei ihrer
Eingliederung?“ Das war nur eine von vielen Fragen, die Familien beschäftigen, die bereits Kinder an der Grundschule haben oder daran denken, diese dort im Sommer anzumelden. Die Flüchtlings-Kinder aus Serbien, Syrien und Afghanistan kämen ohne Deutschkenntnisse und viele von ihnen hoch traumatisiert und da sei eine intensive Betreuung noch vor der Einschulung unbedingt notwendig, so die Sprecherin vieler Eltern. Bezirksamtsleiter Thomas Ritzenhoff versuchte die aktuelle Notlage der Bezirke zu erklären. Immerhin müssten hamburgweit noch 1276 Plätzen für Flüchtlinge geschaffen werden, da sei auch Wandsbek als der größte Bezirk gefragt. Vorbereitungsklassen für die Kinder der Flüchtlingsfamilien seien allerdings nur für die Klassen drei und vier vorgesehen, erklärte Bettina Prott von der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration.

„Öffentliche Unterbringung ist ein Verwaltungsakt, gesetzlich vorgeschrieben
und die Menschen sind auf diese Hilfe angewiesen.“ Martin Leo
Fördern und Wohnen

„Öffentliche Unterbringung ist ein Verwaltungsakt, gesetzlich vorgeschrieben und die Menschen sind auf diese Hilfe angewiesen“, betonte Martin Leo von Fördern und Wohnen, dem Träger, der sich um die Unterkünfte kümmert. Auf die Sorge der Eltern, die Komplikationen durch die zusätzlichen Schüler unterschiedlicher Herkunft vermuten, konnten die anwesenden Bezirksvertreter allerdings nicht konkret eingehen, weil „wir zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht wissen, wie viele Kinder im Grundschulalter überhaupt kommen und auf welche Schulen diese verteilt werden“, so Bezirks amtsleiter Ritzenhoff.

Chance geben

Bettina Prott konnte andererseits von vielen positiven Entwicklungen in
der Nachbarschaft berichten und bedauerte, dass die Akzeptanz gegenüber der Flüchtlinge und Obdachlosen oft so erschreckend gering sei. Nie habe es den Wunsch in einem Stadtteil gegeben, die Flüchtlinge gerade bei sich aufzunehmen. Sie appellierte deshalb an die Besucher im Bürgersaal: „Bitte geben Sie diesen Familien und ihren Kindern doch eine Chance!“
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