Opfer nicht vergessen

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22 auf dem Höltigbaum erschossene Deserteure verzeichnete das Standesamt Rahlstedt. Es waren einfache Soldaten, Matrosen, Pioniere und Schützen, auch Obergefreite und Unteroffiziere sowie zwei junge Offiziere. Einige Fotoreproduktionen von auf dem Höltigbaum erschossenen Soldaten präsentierte die Hamburger Friedensinitiative beim Antikriegstag, 1. September 2011 am Kriegerdenkmal am Stephansplatz. Die Initative fordert ein Deserteursdenkmal.

Bezirksversammlung: Ein Erinnerungsort auf Höltigbaum

Wandsbek/Rahlstedt. Geschichte lernt man besser verstehen an Orten der Erinnerung. Ein solchen Platz liegt heute im Gewerbegebiet Neuer Höltigbaum, an der Ecke Sieker Landstraße. Hier erinnert eine unscheinbare blaue Metalltafel an den früheren Schießplatz Höltigbaum, wo noch am 28. April 1945, fünf Tage vor dem Einmarsch der britischen Truppen in Hamburg, wegen Fahnenflucht oder Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilte Soldaten hingerichtet wurden. Insgesamt geht man nach heutigen Forschungsstand von etwa 330 erschossenen Deserteuren aus. Nach der Aufgabe des Truppenübungsplatzes im September 2003 brachte man an dieser Stätte eine Gedenktafel der Hamburger Kulturbehörde an. Für die Ausgestaltung der kleinen Gedenkstätte sorgte unter anderem die örtliche Friedensinitiative Rahlstedt.
Mit den Jahren geriet diese unscheinbare Gedenkstätte am Rande des Gewerbegebietes scheinbar etwas in Vergessenheit, diesen Zustand will man nun ändern. Angeregt von einer öffentlichen Veranstaltung anlässlich des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus Ende Januar sprachen sich besonders die Fraktionen der SPD und der GAL dafür aus, dass der Gedenkort auf dem Höltigbaum deutlich würdiger gestaltet werden sollte. Sie plädierten dafür, dass „eine dauerhafte Form des Erinnerns an die in Hamburg zum Tode verurteilten und hingerichteten Wehrmachtsdeserteure und sogenannten „Wehrkraftzersetzer“ in Hamburg auf den Weg gebracht wird“. Gedacht ist an ein Denkmal, eine Skulptur, die deutlich sichtbar an die NS-Verbrechen vor Ort erinnert. Dieser interfraktionelle Antrag wurde ohne Gegenstimmen von der Bezirksversammlung im März verabschiedet. (hbz)
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