Pass und Perso nur auf Termin

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Kundenzentrum gestrichen: Bald wieder die Realität an der Bramfelder Herthastraße Foto/Montage: tel

„An Dreistigkeit nicht zu überbieten“ – Kundenzentren Bramfeld und Walddörfer im Sommer „dicht“

Von Michael Hertel
Bramfeld
Wie schon vermutet: Nach dem Vorbild des vorigen Jahres werden die beiden Kundenzentren Bramfeld und Walddörfer auch im kommenden Sommer wochenlang geschlossen. Das Haus an der Herthastraße vom 18. Juli bis zum 12. August. An der Farmsener Landstraße in Volksdorf bleiben die Türen sogar vom 27. Juni bis 26. August dicht. Das kündigte das Bezirksamt Wandsbek in dieser Woche an. Begründet wird das Vorgehen mit einer steigenden Nachfrage an Dienstleistungen zu dieser Zeit sowie einer gleichzeitigen Personalknappheit.
Wer dann entsprechende Dienstleistungen benötigt, wendet sich an die verbliebenen Kundenzentren im Bezirk (Alstertal, Rahlstedt, Wandsbek-Kern) oder die entsprechenden Einrichtungen in anderen Bezirken. In den drei geöffneten Wandsbeker Kundenzentren werden Termin- und Öffnungszeiten ausgeweitet. Als einen „Schildbürgerstreich, der an Dreistigkeit nicht zu überbieten ist“, bezeichnete der Fraktionsvorsitzende der Wandsbeker Linken, Julian Georg, die Ankündigung. „Wir haben schon im letzten Jahr gesagt, dass das nicht geht. Der Schritt des Bezirksamtes ist nicht nachvollziehbar und auch nicht notwendig“, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Eckard Graage dem Wochenblatt.
Anders sieht es Anja Quast von den mit den Grünen „regierenden“ Sozialdemokraten: „Vor dem Hintergrund knapper personeller Ressourcen hat sich die Konzentration von Dienstleistungsangeboten und Angestellten auf weniger Kundenzentren für die Sommerzeit bewährt, um auch in der Urlaubszeit den Bürgerinnen und Bürgern ein gutes Serviceangebot machen zu können. Um jedoch mittel- bis langfristig eine solidere Grundlage für die Personalausstattung der Kundenzentren zu erhalten, setzen wir uns dafür ein, dass insgesamt in den Hamburger Kundenzentren anhand eines Personalbemessungssystems der erforderliche Personalbedarf ermittelt wird.“ Nach Recherchen des Wochenblatts, basierend auf den vom Bezirksamt veröffentlichten Zahlen, hat die Zahl der (bearbeiteten) Geschäftsvorfälle in den Wandsbeker Kundenzentren seit 2010 dramatisch abgenommen, und zwar – je nach Standort – zwischen 44 und 74 Prozent. Die Gesamtzahl der Geschäftsvorfälle im Bezirk reduzierte sich in den letzten fünf Jahren von 345.817 auf 159.614 und damit um rund 53,8 Prozent. Deutlich erkennbar wurden somit seit 2010 in jedem Jahr weniger Kunden bedient. Mehr als die Hälfte der Vorgänge betreffen An- und Ummeldungen (Zuzug und Umzug) sowie Anträge für Personalausweise und Reisepässe. Die Wandsbeker Linke, die das Thema hartnäckig verfolgt (unter anderem mit drei Anfragen in der Bezirksversammlung), fordert eine Wartefrist bei Terminbuchungen via Internet von höchstens drei Wochen. Außerdem müsse gewährleistet sein, dass auch Spontankunden ohne Termin zum Zuge kommen.
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