Pflegeplan für Berner Gartenstadt-Siedlung

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Einmündung Karlshöher Weg/Beim Farenland in den 1920er Jahren Foto: Gartenstadt Hamburg eG
 
Die Einmündung Karlshöher Weg/Beim Farenland heute Foto: tel

Genossenschaft befragt Mitglieder

Von Michael Hertel
Berne
Andrang vor dem Volkshaus Berne: Die Wohnungsgenossenschaft Gartenstadt Hamburg eG hatte ihre Mitglieder eingeladen, an einem zukunftsweisenden Regelwerk namens „Denkmalpflegeplan“ mitzuarbeiten.
Rund 270 Genossenschaftler und Bewohner kamen. Sie wollten wissen, wie es mit ihrer seit zwei Jahren unter Denkmalschutz stehenden Siedlung (540 Doppelhaushälften, erbaut in den Jahren 1920 bis 1929) weitergeht. Mit Erleichterung nahmen die Mitglieder die Aussage von Denkmalschützer Andreas Potthoff auf, nach der es einen Bestandschutz für Um- und Anbauten aus der Vergangenheit geben soll.
Wochenlang hatten Mitarbeiter des Architektenbüros Wegener (Neustadt) die Berner Gartenstadt-Siedlung durchkämmt, Gebäude und Anlagen von außen fotografiert, vermessen und dokumentiert. Die Ergebnisse stellte Architekt Rasmus Radach dem Auditorium vor. Sein Fazit: „Trotz zahlreicher Veränderungen in den vergangenen Jahrzehnten ist der Charakter der Siedlung insgesamt gut erhalten geblieben“. Ursprünglich verfügten die Häuser gemäß der Idee teilweiser Sebstversorgung über Schweine- und Hühnerställe, großzügige Gärten dienten dem Obst- und Gemüseanbau. Später wurden Ställe in den Wohnbereich integriert, Garagen errichtet, Terrassen und Wintergärten ausgebaut, es gab Mauerdurchbrüche für zusätzliche Fenster und viele weitere Veränderungen. „Seit dem Bau haben sich die Nutzungsansprüche erheblich verändert“, stellte Radach fest: „Auch der Bedarf an Privatsphäre ist gewachsen“, was zum Beispiel bedeutet, dass die Grundstücke durch Bepflanzung und Sichtschutzzäune nicht mehr so „durchsichtig“ wie einst sind.
„Heute darf ich keine Birke oder Tanne fällen, die gar nicht zu unserer Gartenstadt passen. Aber Obstbäume kann jeder nach Belieben umhauen – das ist doch absurd“, ärgerte sich ein Bewohner. Und es gibt noch mehr „heiße Eisen“: Dachflächenfenster, Solaranlagen, Satellitenschüsseln oder Kaminöfen, um nur einige zu nennen. Alles soll in den neuen Richtlinien berücksichtigt werden. Moderator Sönke Witt, Geschäftsführender Vorstand der Genossenschaft: „Im Idealfall sollen Denkmalschutz und modernes Wohnen zusammenpassen.“ Ob das gelingt, bleibt abzuwarten. Noch bis zum 19. Juni können die Bewohner Vorschläge und Wünsche auch per Email an denkmal@gartenstadt-hamburg.de einreichen. Witt hofft, dass die neue Richtlinie in etwa einem Jahr in Kraft treten kann. Ungeklärt ist nach wie vor das Schicksal von sechs Prozent der Siedlungshäuser entlang des Meiendorfer Stiegs, die nicht unter Denkmalschutz gestellt wurden. Auf Nachfrage aus dem Auditorium nach den Gründen hieß es lapidar, es handele sich dabei um „Abwägungen zwischen Wirtschaftlichkeit und Denkmalschutz“. (tel)

Kommentar: Auch kritischen Fragen stellen
Denkmalschutz ist nicht so einfach: In vielen Fällen dürften sich historische Authentizität und die Anforderungen oder Wünsche an modernes Wohnen gegenseitig im Wege stehen. Die Siedlung Berne jedenfalls kann man sich beispielsweise mit großflächigen Solaranlagen auf den Dächern kaum vorstellen. Das wäre in der Tat zerstörerisch für den Charakter der Gartenstadt. In der alltäglichen Praxis werden beide Seiten – Denkmalschutz und Siedler – immer mal wieder zurückstecken müssen. Gut, dass man schon frühzeitig bei der Erarbeitung des Denkmalpflegeplans auf Zusammenarbeit und Überzeugung setzt. Noch besser wäre es, wenn sich die Verantwortlichen auch kritischen Fragen der Genossenschaftler offen stellen würden. So bleibt weiterhin im Dunkeln, warum nicht die gesamte Siedlung unter Denkmalschutz gestellt wurde. Soll etwa am Meiendorfer Stieg – wie viele vermuten – billiger (alter) Wohnraum durch teuren (neuen) ersetzt werden? Da fragt man sich schon, wie ernst der Denkmalschutz wirklich gemeint ist.
Von Michael Hertel
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