Platzwart muss gehen

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Ranislav Neskov ist ehemaliger Platzwart des Concordia-Geländes an der Oktaviostraße. Nachdem der Verein die Mülltonne an seinem Haus abmeldete, muss er seinen Abfall hunderte Meter weit tragen

SC Concordia pocht auf Räumung an der Oktaviostraße

Von Marco Thielcke
Wandsbek. Die ehemalige Sportanlage des SC Concordia an der Oktaviostraße ist nicht mehr wiederzuerkennen: Die Tribünen sind verwahrlost, tiefe Furchen ziehen sich durch den Strafraum des früheren Fußballfeldes und die Anzeigetafel ist von Rost zerfressen. Hinter den alten Toren und verlassenen Rängen steht ein kleines Wohnhaus, hier sieht es ganz anders aus. Ein bunter Kranz hängt einladend an der Haustür, daneben stehen Fahrräder. Hier wohnt seit 2005 Ranislav Neskov, ehemaliger Platzwart des SC Concordia, mit seiner Familie. Jahrelang kümmerte er sich um den Sportplatz, pflegte den Rasen und reparierte kaputte Sitze auf der Tribüne. Nun soll er ausziehen. Schon im vergangenen Frühjahr kündigte der Sportverein den Mietvertrag, eine Räumungsklage holte Neskov auch schon aus seinem Briefkasten. Laut einem Urteil des Amtsgerichts muss Neskov bis Ende April ausziehen. Doch der 57-Jährige versucht die Räumung hinauszuzögern. „Wo sollen wir denn hin? Ich suche schon lange eine Wohnung, kann aber keine finden“, sagt Neskov.
Als der ehemalige Platzwart im vergangenen Herbst mit seiner Familie aus dem Urlaub kam erlebte er die nächste Überraschung. „Der Sportverein hat unsere Mülltonne abgemeldet“, sagt Neskov. Seitdem muss Neskov, der jetzt als Friedhofsgärtner in Tonndorf arbeitet, die Müllsäcke auf dem Rücken zum Vereinsgebäude des SC Concordia tragen, rund 400 Meter entfernt. „Zu teuer“, sagte man ihm dort, als er fragte wieso die Tonnen weg sind. Für die 80 Quadratmeter große Wohnung zahlt Neskov weiterhin jeden Monat 650 Euro.
Er hofft nun auf eine außergerichtliche Einigung mit dem Sportverein.
Peter Menssing, erster Vorsitzender von SC Concordia sagt: „Der Verein hat mit der Familie Neskov vereinbart, dass sie so lange in dem Haus wohnen bleiben können, bis der Platz gebraucht wird. An diese Abmachung hat sich die Familie nicht gehalten.“
Der Bezirk, dem der Platz gehört, hält sich raus: „Das Mietverhältnis zwischen dem ehemaligen Platzwart und SC Concordia war nicht Bestandteil der Rückgabe des Platzes an den Bezirk“, sagt eine Sprecherin des Bezirkes.
Vor fünf Jahren wurde das Sportgelände an der Oktaviostraße an den Bezirk zurückgegeben. Künftig sollen hier 21 Wohnungen in acht Einzelhäusern und eine Tiefgarage mit bis zu 31 Stellplätzen gebaut werden. Der rückwärtige Teil des Concordia-Geländes soll, laut Planungen des Bezirkes und der Architekten Kirsch/Bremer, dem Wandsbeker Gehölz zugeteilt werden.
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