Post macht dicht

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Klein aber zentral: die Postfiliale im Öjendorfer Damm Foto: rg

Filiale am Öjendorfer Damm schließt Ende Oktober. Viele Senioren entsetzt

Jenfeld Seit 2009 bietet die kleine Postfiliale im Erdgeschoss des Ärztehauses am Öjendorfer Damm einen Geldautomaten, man kann Briefmarken kaufen und Pakete aufgeben, es gibt Büroartikel und mitten im Raum ein Multifunktionsterminal.
Damit können Überweisungen gemacht oder Daueraufträge eingerichtet werden. „Hier sieht es aus wie früher im Postamt. Wir waren sehr stolz auf das Angebot, so mussten viele Jenfelder nicht immer nach Wandsbek fahren“, sagt Manuela Lassig. Seit vier Jahren leitet sie die Postfiliale mit sechs Mitarbeitern und einem Auszubildenden.
„Wir haben keine Fehler gemacht, der Umsatz war gut“, sagt die 42-Jährige. Trotzdem ist am 31. Oktober Schluss am Öjendorfer Damm. Hintergrund ist der Umgang der Deutschen Post mit ihren Filialpartnern. Deren Kritik: Die Partnerverträge werden häufig geändert, oft mit schlechteren Konditionen für die Filialpartner. Der ist am Öjendorfer Damm der Apotheker Ulf Haverland. Den neuen Vertrag mit der Post wollte er nicht mehr unterschreiben. Es hätte sich wirtschaftlich nicht mehr gelohnt, sagt er. Und: „Die Post verliert hier eine Filiale in sensationeller Lage, vor der Tür halten fünf Buslinien.“ In den Verträgen wird ganz klar gesagt, dass Name und Logo der Post nur als Magnet für Laufkundschaft gedacht seien. Gewinn gemacht werden soll nicht mit dem Postgeschäft, sondern beispielsweise Büroartikeln. „Wir bringen aber 70 bis 80 Prozent unserer Arbeitskraft für die Post auf, so wird das Hauptgeschäft zum Nebengeschäft“, sagt die scheidende Filialleiterin Lassig. Vor allem der gut frequentierte Geldautomat wird in Jenfeld fehlen, denn in der ab November geöffneten neuen Postagentur in der Rodigallee wird es aller Voraussicht nach keinen geben. „Viele Kunden sind entsetzt, vor allem ältere. Einige haben aus Protest sogar ihre Postbank-Konten gekündigt“, sagt Manuela Lassig.
In den Raum der Postfiliale kommt ein Sanitätshaus. Am 4. November beginnt der Umbau. Die Noch-Postfrau Lassig sattelt um und wird künftig im Sanitätshaus arbeiten. Drei weitere Mitarbeiter werden übernommen, der Azubi kann seine Ausbildung noch beenden. „Man muss sich dem Postkonzern beugen und ist machtlos“, bedauert Manuela Lassig. „Es hätte aber auch so bleiben können“, sagt sie.
Ursprünglich war die Übernahme von Mitarbeitern durch den neuen Betreiber in der Rodigallee in der Diskussion, bis jetzt gibt es aber keine Zusage. (rg)
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