Prekäre Situation in Hamburg

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Der Soziologe und frühere Bürgerschaftsabgeordnete der Linken, Joachim Bischoff, im Jenfeld-Haus Foto: rg

Sozialverband fordert Umorientierung am Wohnungsmarkt

Von Rainer Glitz 
Hamburg. Die Mietkosten rauben gerade ärmeren Menschen zunehmend den größten Teil ihres Einkommens. Immer mehr Wohnungen fallen aus der Mietpreisbindung, gerade Senioren müssen Wohngeld beantragen. Diese drastische Situation auf dem Hamburger Wohnungsmarkt schilderte Referent Joachim Bischoff auf Einladung des Ortsverbandes Jenfeld-Hohenhorst des Sozialverbandes Deutschland. Der Soziologe und frühere Bürgerschaftsabgeordnete der Linken präsentierte den Zuhörern im Jenfeld-Haus umfangreiches Zahlenmaterial. Demnach sind mehrere Faktoren für die prekäre Situation verantwortlich.

Hamburg im Mittelfeld

Anders als Spanien oder Griechenland leben in Deutschland traditionell wenige Menschen im eigenen Haus oder der eigenen Wohnungen. „Hamburg belegt mit einem Anteil von 23 Prozent einen Mittelplatz unter den Städten“, erklärte Bischoff. Von 924.000 Wohnungen sind 700.000 Mietwohnungen. Insgesamt seien die Wohnungen zu groß, die Hälfte der Hamburger aber Singles. Die Einkommen pro Haushalt sind laut Statistik zuletzt gesunken, der Anteil der Mietkosten an der Lebenshaltung wird größer. „Richtig gestiegen ist die zweite Miete“, sagte Bischoff – vor allem die Kosten für Energie und Wasser. „Hamburg ist gleichzeitig Hauptstadt der Altersarmut“, so der Soziologe. Die Folge: Die Hälfte aller Wohngeldbezieher sind Senioren, das Angebot für sie ist zudem schlecht.

Wohngeld zu gering

„Das Wohngeld ist zu gering“, lautet Bischoffs erstes Fazit. Die Mietpreisbremse könne durchaus ein taugliches Instrument sein, es müssten aber auch mehr Sozialwohnungen gebaut werden.
Bischoff sieht hier vor allem die SAGA GWG und die Genossenschaften gefordert, die jeweils 14 Prozent des Wohnraums besitzen. Der Anteil der Sozialwohnungen sank laut Statistik von 17,8 Prozent im Jahr 2000 auf zuletzt 11 Prozent. Gleichzeitig gehe die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen weiter, große Wohnungsbestände würden an Investoren verkauft, erklärte Bischoff.

„Wir müssen alle Stellschrauben bedienen, um etwas zu ändern“, sagte der Referent. Leerstand müsse gemeldet, viele Büros könnten in Mietwohnungen umgewandelt werden. Das Wohngeld müsse erhöht und die soziale Bindung der Mieten auf 30 Jahre verlängert werden. Vor allem müsse die SAGA GWG ihre Politik ändern und weniger gewinnorientiert arbeiten, forderte Bischoff.
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