Problemvogel Saatkrähe

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Problem in Bargteheide: Saatkrähen nisten nahe des Marktplatzes.

Bis zu 700 Tiere bevölkern jedes Jahr Markt und Bahnhof

Von Christina Schlie
Bargteheide. Sie rücken in großen schwarzen Schwärmen an, stören mit lautem Gezeter und hinterlassen Schmutz. Saatkrähen werden in zahlreichen Innenstädten zum Ärgernis. Auch in Bargteheide sind laut Thomas Degenhardt 350 Krähen-Paare zu Hause.
Der Umweltbeauftragte spricht von 400 bis 700 Rabenvögeln, die sich in Kolonien zunächst rund um den Bahnhof angesiedelt hatten. Nun nisten die Krähen nicht nur am Bahnhof, sondern auch am Markt.
Gerade bauen die Verwandten der Aaskrähe in den Baumkronen ihre Nester, um darin ab März zu nisten und ihren Nachwuchs groß zu ziehen. Bedenklich ist, dass an dieser Stelle freitags der Wochenmarkt stattfindet. Der herumliegende Kot und Dreck macht es besonders schwer, Hygienevorschriften für den Umgang mit Lebensmitteln einzuhalten.

„Wenn man die Krähen vergrämt, suchen sie sich einen anderen Ort, der meistens auch nicht vorteilhafter ist.“ Klaus Graeber


Viele Jahre hat die Stadt versucht, die Krähen zu verscheuchen. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist es verboten, Saatkrähen zu fangen, zu töten oder ihre Nist- und Brutplätze zu zerstören. Dafür wurden Schreckschusswaffen zur Vertreibung der Tiere eingesetzt, Nester entfernt und Nistmaterial wie Äste und Zweige vom Boden aufgehoben.
„Wir haben damit nur eine punktuelle Vergrämung erreicht“, sagt Degenhardt. Ein Beispiel: 2011 waren Jagdpächter sechs Wochen lang am Bahnhof im Einsatz, um die Tiere mit einer Schreckschusspistole, die in den Himmel gehalten und abgedrückt wurde, zu verscheuchen.
Zudem hatte man durch das Beschneiden der Baumkronen versucht, die Vögel am Nestbau zu hindern. „Wenn man die Krähen vergrämt, suchen sie sich einen anderen Ort, der meistens auch nicht vorteilhafter ist“, sagt Klaus Graeber, vom Naturschutzbund (Nabu).
Trotz Vergrämung: Das Krähenproblem ist präsent. Statt zu verschwinden, siedelten die Krähen vom Bahnhof auf den Marktplatz über. Damit werden zwar weniger Fahrzeuge auf dem Park+Ride-Parkplatz mit Vogelkot verschmutzt, dafür liegen Krähenexkremente nun in gefährlicher Nähe zu Lebensmitteln.
Momentan haben die Vögel in Bargteheide den Kampf gegen die Menschen gewonnen. Von Seiten der Stadt hat man sich für die Saison 2013 dazu entschlossen, „keine weiteren Maßnahmen gegen die Saatkrähen zu unternehmen“.
„Das ist das Schlauste, was die Stadt machen kann“, behauptet Klaus Graeber vom Nabu. Es sei keine Resignation, sondern eher ein „begründetes Nichtstun“, erklärt der Umweltbeauftragte. Auch in diesem Jahr rechne man im Rathaus mit zahlreichen Bürgerbeschwerden. Doch auch wenn die öffentliche Wahrnehmung eine andere ist, sagt Degenhardt, die Zahl der Brutpaare sei bislang konstant geblieben. (cs)
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