„Rahlstedt ist kein Museumsdorf“

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Der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Ekkehard Wysocki (li) diskutierte mit den Bürgern, Tobias Gohlis moderierte. Foto: Netzow

Bürger diskutieren beim 23. Werksgespräch des KulturWerks Rahlstedt e.V.

Von Kirsten Netzow
Rahlstedt. Rahlstedt ist der bevölkerungsreichste Stadtteil Hamburgs. Rund 87000 Menschen leben hier. Identifizieren sich die Bürger mit ihrem Stadtteil, was macht diese Identität aus, und wenn es sie nicht gibt, wie kann sie hergestellt werden? Diese und weitere Fragen haben gebürtige und zugezogene Rahlstedter jetzt zusammen mit dem SPD-Bürgerschaftsabgeordneten Ekkehard Wysocki diskutiert.
Das KulturWerk Rahlstedt e.V. hatte zum 23. Werksgespräch in die Rahlstedter Bücherhalle geladen. Tobias Gohlis, ehemaliger Vorsitzender des KulturWerks, führte als Moderator durch den Abend.

Viele Identitäten

„Uns vom Kulturwerk liegt dieses Thema schon seit längerem auf der Seele“, sagte Gohlis in seiner Begrüßung. Ekkehard Wysocki, selbst in Rahlstedt aufgewachsen, gab den Zuschauern anhand alter Fotografien und Karten einen Abriss über die wechselhafte Geschichte Rahlstedts. Mit der Errichtung einer Bahnstation im
19. Jahrhundert zog es gerade Besserverdienende nach Rahl-stedt und der ländliche Ort mauserte sich zum Villenvorort. Nach dem zweiten Weltkrieg fanden Flüchtlinge und ausgebombte Hamburger hier ein neues Zuhause. In den sechziger Jahren vergrößerte sich Rahl-stedt zusehends, viele durch die Sturmflut 1962 obdachlos gewordenen Hamburger zogen in die neu entstandenen Wohngebiete. In diesem Jahr wird der Stadtteil 765 Jahre alt. „Es gibt keine Rahlstedter Gesamtidentität, Rahlstedt hat viele Identitäten“, lautete eine der anschließenden Thesen Wysockis. Dazu trage die Unterteilung des Stadtteils in seine verschiedenen Ortsteile maßgeblich bei. Die Mehrzahl der Rahlstedter seien Zugewanderte, viele mit Migrationshintergrund, was für diese Menschen eine Identifizierung mit ihrem Stadtteil erschwere.

Zentrum fehlt

An der nach dem Vortrag stattfindenden Diskussion gab es eine rege Beteiligung. In einigen der Beiträge kam zum Ausdruck, dass zum Bedauern vieler Rahl-stedter nicht in die Erhaltung historischer Bauwerke investiert wurde. Für viele Bewohner scheinen jedoch Gebäude maßgeblich zur Identitätsbildung beizutragen.
Wysocki wandte jedoch ein, dass der Wandel das Normale in Rahlstedt sei und nicht der Erhalt des Bestehenden. „Das Neue ist das Strukturbildende, Rahlstedt ist kein Museumsdorf“, so der Referent. Für einige fehlt ein prägnantes Zentrum, in dem man sich gerne trifft. „Gebäude prägen zwar das Bild eines Stadtteils, die Verbindung zwischen den Menschen, ihre Vernetzung ist jedoch entscheidend für die Identitätsbildung“, so die Meinung einer Frau, die erst im vergangenen Jahr nach Rahlstedt gezogen ist.
„Identität endet an der Haustür“, sagte ein Besucher und verdeutlichte damit das mangelnde Interesse gerade von Jugendlichen an ihren Stadtteil. Zudem stellte er die Frage nach der Rolle der Schulen bei der Vermittlung der Ortsgeschichte.
Katharina Joanowitsch, erste Vorsitzende des KulturWerks, zeigte sich erfreut über die gute Beteiligung an der Veranstaltung und dem daraus zu schließenden Bedürfnis der Rahl-stedter zum Austausch und zur Gemeinschaft.
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2 Kommentare
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Elke Noack aus Rahlstedt | 22.02.2013 | 18:31  
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Elke Noack aus Rahlstedt | 06.03.2013 | 17:51  
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