Raumnot: Das KiKuMu ist zu

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Gabriele Klier neben einer Nachbildung des Gemäldes „Der Schrei“ von Edvard Munch
 
Das KinderKunstMuseum an der Bovestraße Fotos: je

Leiterin des KinderKunstMuseums sucht neues Zuhause für Bilder

Von Martin Jenssen
Wandsbek. Kunstvoll gemalte Bilder lieben es vermutlich nicht, in Kisten und Kartons zu stecken. Dort ist es dunkel. Bilder wollen ans Licht. Sie wollen gesehen werden und Menschen erfreuen. Sie wollen beeindrucken und zum Nachdenken anregen.
Den Bildern des Wandsbeker KinderKunstMuseums (KiKuMu) in der Bovestraße steht eine dunkle Zeit bevor. Sie werden in Kisten und Kartons verstaut. Das Museum ist geschlossen. Ein harter Schlag für Gabriele Klier (55), die Gründerin des Museums. Traurig für die vielen Kinder, die beim Aufbau des Museums geholfen haben. Das KiKuMu war einmalig, ein Museum, das durch Eigenarbeit und private Mittel geschaffen wurde. Unendlich viel Liebe ist in das Museum geflossen. Ungezählte unbezahlte Arbeitsstunden wurden investiert. Und jetzt landen die Kunstwerke in Kisten auf dem Dachboden. Grund: Die Schule in der Bovestraße, die dem Museum bisher Raum bot, benötigt diesen jetzt selbst.

Schulklassen aus ganz Deutschland kamen

Vor 13 Jahren hatte Gabriele Klier die Idee, in einem kaum benutzten Treppenhaus und im Flur des dritten Obergeschosses der Grundschule Bovestraße das Museum aufzubauen. Zusammen mit den Kindern der dritten und vierten Klassen wurde das KiKuMu von Jahr zu Jahr weiter ausgebaut. Ständig wurden neue Ideen entwickelt, Kindern Kunstwerke nahe zu bringen.
Unterstützt wurde Gabriele Klier von ihrem Mann Martin, einem Musikpädagogen. Martin Klier schrieb Lieder über bedeutende Maler und ihre Bilder. Gemeinsam schuf man Theaterstücke. Natürlich ging es dabei immer um Kunst. In einem Kasperle-Stück tauchte zum Beispiel ein Räuber auf, der Bilder klaute, weil er ohne schöne Gemälde um sich herum nicht einschlafen konnte. Er jammerte so laut, dass die Kinder am Ende des Theaterstücks bereit waren, dem Räuber ein Bild zu malen. Besucher, die von Kindern durch das Museum geführt wurden, konnten hunderte von beeindruckenden Exponaten bewundern. Sie wurden dabei durch die verschiedenen Epochen der Kunstgeschichte geleitet, von der ersten Höhlenmalerei der Cro-Magnon-Menschen bis zu den Kunstobjekten der Postmoderne. Das Museum wurde von Sozialpädagogen aus ganz Deutschland und von Schulklassen aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen besucht.
Der Eintritt ins Museum kostete einen Euro. Jedes Kind musste den Euro selbst zur Kasse tragen. Gabriele Klier: „Die Kinder sollten erfahren, das Kunst ihren Wert hat!“ Von den Eintrittsgeldern kaufte die Museumsleiterin Materialien, mit denen das Museum weiter ausgebaut werden konnte., zum Beispiel Papyrus, um zu zeigen, worauf die alten Ägypter Hieroglyphen schrieben.
Öffentliche Unterstützung gab es nicht. Nach einer Anfrage bei Schulbehörde erhielt Gabriele Klier die Antwort: „Der Dank der Kinder sollte Lohn genug sein!“
In dem Museum von Kindern für Kinder war es selbstverständlich, dass die Schüler in die Museumsarbeit einbezogen wurden: Sie putzten die Räume, führten Kontrollgänge durch, begrüßten Besucher, verkauften Eintrittskarten und malten neue Bilder. Die meiste Arbeit aber blieb an Gabriele Klier hängen. Sie renovierte die Wände und Flure, musste neu streichen, wenn etwas verschmiert war und sorgte für Sauberkeit im Museum.

Hoffen auf Sponsor

In den vergangenen Monaten wurde die Arbeit zu viel, da die oberen Räume der Schule jetzt auch nachmittags von einem Hort genutzt werden.
Beim Toben der Kinder durch die Flure wurden immer mehr Kunstwerke in Mitleidenschaft gezogen. Gabriele Klier kam mit der Arbeit nicht mehr nach. Ihre Hoffnung: „Vielleicht findet sich ein Sponsor, der geeignete Räumlichkeiten für das KiKuMu zur Verfügung stellt.
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