Reh tot gebissen

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„Rehkitz-Mutter“ Regina Wriggers hält ein zirka sechs Wochen altes Junges im Arm. Das verwaiste knapp zwei Wochen alte Kitz war noch zu schwach, um für ein Foto zu posieren. Foto: Bagdassarian

Nun päppelt Regina Wriggers das Junge auf

Von Sylvana Lublow
Rahlstedt. Das war kein schöner Anblick, der sich Siegfried Czrwonatis bot: Am Pfingstsonntag entdeckte der Rahl-stedter auf seinem Spaziergang im Hegen ein schwer verletztes Reh. „Es lag mitten auf der Wiese, konnte nicht mehr aufstehen und pumpte. Einfach furchtbar“, schildert Czrwonatis seinen schrecklichen Fund. Das Reh blutete aus einer großen Wunde am Hals. Der Spaziergänger informierte sofort die Polizei, die ihrerseits den verantwortlichen Jagdpächter Hermann Mellmann zum Fundort schickte. Diesem blieb nach fachkundigem Blick auf die Ricke nur Eines: der Gnadenschuss. „Es war eindeutig: hier hatte ein Hund gejagt und das Reh schwer am Genick verletzt“, sagt der Jagdpächter, dem dieser Anblick immer noch in den Knochen steckt. „Schlimm so etwas. Das Tier war so zerbissen.“ Doch Mellmann machte noch eine Entdeckung: Die Ricke hatte ein dickes Euter, was auf ein Kitz hindeutet. Der Jagdpächter erklärte Czrwonatis, dass das Rehkitz schnell gefunden werden müsse, da es innerhalb von zwei Tagen verhungern würde. Alle machten sich auf die Suche, den ganzen Sonntag lang – jedoch erfolglos. Czrwonatis wollte nicht aufgeben und ging am Pfingstmontag erneut los, um das Kitz zu finden. Und er fand es, weil er es fiepen hörte – ein Hungerschrei. Vom Jagdpächter hatte er die Adresse einer Aufzucht-Station bekommen.
Zusammen mit einem Nachbarn fuhr er das Kitz zu Regina Wriggers nach Ahrensfelde. Die stellte fest, dass das Kitz gerade eine Woche alt ist. „Jetzt kämpft es dort ums Überleben, weil der Saugreflex nicht mehr funktioniert“, sagt Czrwonatis, der sich über alle Maßen ärgert: „Das alles ist nur passiert, weil die Hundehalter ihre Hunde nicht an der Leine lassen, so wie es vorgeschrieben ist.“
Auch Hermann Mellmann ist erbost über die nachlässigen Hundehalter: „Die denken nicht darüber nach, was sie anrichten. Es ist gerade Brut- und Setzzeit und freilaufende Hunde sind in diesem Waldgebiet strengstens verboten.“ Leider würde es auf der Wiese, dem Fundort, nicht genügend Schilder geben, die auf das Anleinen hinweisen. „Das Schlimme ist, dass Hunde es immer wieder versuchen werden, wenn sie ein mal Erfolg bei der Jagd hatten“, so Mellmann. Und Ricken würden nicht schnell weglaufen, weil sie ihr Kitz beschützen. Siegfried Czrwonatis ist ebenfalls wütend: „Ich appelliere an alle Hundebesitzer: Leint eure Tiere an, so wie es vorgeschrieben ist. Es ist falsche Tierliebe, wenn man nur an seinen Hund denkt.“
Das Kitz ist mittlerweile über den Berg. „Es nimmt die Ziegenmilch gut an“, sagt Regina Wriggers. Und es hat sich mit einem gleichaltrigen Tier angefreundet, dessen Mutter von einem Auto überfahren wurde und das ebenfalls bei Familie Wriggers groß wird. (sl)
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