Reise ins Konfliktgebiet

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Ein Wahllokal im kurdischen Hakkari Foto: privat

Jenfelder Ehepaar beobachtete Ablauf der türkischen Parlamentswahl in Kurdistan

Von Rainer Glitz
Jenfeld
Die Provinzhauptstadt Hakkari liegt im äußersten Südosten der Türkei, im Grenzgebiet zu Iran und Irak. Auch das Bürgerkriegsland Syrien ist nicht weit. Und seit dem Sommer bekämpft die Armee in der Region wieder die türkische Arbeiterpartei PKK. Dennoch haben sich Jan Rübke und seine Frau Meike Dreessen-Rübke aus Jenfeld auf die Reise in die rund 4.000 Kilometer entfernte 59.000-Einwohner-Stadt gewagt – als unabhängige Wahlbeobachter auf Einladung der „Partei der Völker“, HDP. „Wir haben lange überlegt, wir sind ja keine Hasardeure“, bekennt Jan Rübke. Der Anschlag auf eine Friedensdemonstration in Ankara mit mehr als 100 Toten im Oktober verschärfte die Sicherheitslage noch einmal. „Wir haben dann aber gesagt: Lass es uns machen, auch wenn es gefährlich ist“, sagt Meike Dreessen-Rübke. Das Ehepaar hat über türkisch-stämmige Freunde oder Kollegen einen persönlichen Bezug zur Türkei. „Niemand von denen fand es verrückt, alle waren begeistert“, erinnert sich Jan Rübke. Auch aus Solidarität fuhren beide gemeinsam mit dem Hamburger Bundestagsabgeordneten der Linken, Jan van Acken, nach Kurdistan. „Für einen Jenfelder ist es schon etwas überraschend, an der Straße ein Verkehrsschild zu sehen, dass in Richtung Iran weist“, sagt Jan Rübke. Die Landschaft sei sehr schön, sagt seine Frau: „Man könnte in den Bergen sehr gut wandern, aber die Gegend ist menschenleer“. Niemand wolle für einen PKK-Kämpfer gehalten werden. Überall standen gepanzerte Fahrzeuge und Wasserwerfer mit laufendem Motor, berichten sie. „Unser Eindruck war der eines besetzten Landes.“
Bedroht fühlten sich die Wahlbeobachter aus Hamburg nicht, auch weil sie überall sehr freundlich empfangen wurden. In Vierer- oder Fünfergruppen zogen sie mit Dolmetscher am 1. November von Wahllokal zu Wahllokal, waren auch bei Auszählung dabei. Die HDP erzielte erwartungsgemäß etwa 86 Prozent in Hakkari. Dennoch verlor die prokurdische Partei Stimmen an die AKP von Präsident Erdogan, der die absolute Mehrheit zurückeroberte. „Wir haben keine Anhaltspunkte für Unregelmäßigkeiten oder Fälschungen“, so das Fazit der Wahlbeobachter aus Jenfeld. Die Opposition habe jedoch keinen Wahlkampf machen dürfen, Polizei und Militär hätten Viele eingeschüchtert. „Frei aber nicht fair“ treffe die Abstimmung in der Türkei deshalb gut. „Wir waren froh, dass es am Ende doch nicht so gefährlich war“, sagt das Ehepaar. Tage später allerdings sei es in Hakkari zu Kämpfen gekommen, es gab dabei auch Tote.
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