Riskant für Kinder?

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Die Gründgensstraße an der Einmündung Edwin-Scharff-Ring: Straße begradigt, Busse beschleunigt, sichere Überwege vergessen? Foto: tel
 
Sorgt sich um ihre Schützlinge: Grundschulleiterin Gabriele Buchwald Foto: tel

Ampel vor Schule am Edwin-Scharff-Ring weg. Mittelinsel statt Zebrastreifen

Von Michael Hertel
Steilshoop
Rücksichtsloses Verhalten von Autofahrern, Anhalten direkt vor oder sogar auf dem Zebrastreifen, zu schnelles Fahren vor der Grundschule am Edwin-Scharff-Ring. In seiner Eingabe beim Bezirksamt Wandsbek erhob ein Anwohner schwere Vorwürfe – vor allem gegen die Eltern der Grundschüler. „Ein alter Hut“ erklärte der zuständige Polizeibeamte den Bezirksabgeordneten auf der jüngsten Regionalausschusssitzung. Dennoch scheint sich das Thema Verkehrssituation am Edwin-Scharff-Ring zu einem Dauerbrenner zu entwickeln, denn nun gibt es Kritik von der Steilshooper Grundschule selbst an kürzlich beendeten Baumaßnahmen. Der Vorwurf: An die Schulkinder wurde offensichtlich nicht gedacht.

Verstärkte Kontrollen


Das Thema schien bereits reif für die Ablage, denn die Polizei befasste sich seit geraumer Zeit damit. Ralf Klahn, Leiter der Abteilung Prävention und Verkehr im Polizeikommissariat 36 (Ellernreihe) zu den Mitgliedern des Regionalausschusses: „Am liebsten fahren Eltern ihre Schulkinder bis ins Klassenzimmer. Halteverbote interessieren da nicht.“ Bereits vor Monaten habe die Polizei auf entsprechende Beschwerden reagiert. Nicht nur wurden Eltern immer wieder in sogenannten
Elternbriefen ermahnt, die Verkehrsregeln zur Sicherheit ihrer Kinder einzuhalten. „Wir haben auch das persönliche Gespräch mit den Autofahrern gesucht. Außerdem habe ich Anweisungen zu maximalen Kontrollen vor Ort gegeben, und zwar in Zivil“, berichtete der Erste Polizeihauptkommissar. Im Zuge dieser Kontrollen wurden bislang insgesamt 1069 Fahrzeuge überprüft und auch Bußgelder angeordnet. Das scheint zunächst gewirkt zu haben. Klahn: „Es geht letztlich nur über den Geldbeutel.“ Die Kontrollen hätten im Übrigen ergeben, dass vor der Grundschule (rund 260 Kinder) nicht zu schnell gefahren wurde. Die Ausschussmitglieder nahmen es dankbar zur Kenntnis.

Briefe zu Verkehrsregeln verschickt


Auch Grundschulleiterin Gabriele Buchwald will ein rücksichtsvolleres Verhalten der Autofahrer vor ihrer Haustür bemerkt haben: „Es sind wirklich viele Briefe zu diesem Thema an die Eltern verschickt worden. Ich glaube, wir haben es jetzt im Griff.“ Dafür entdeckte die Schulleiterin nun eine neue Gefahr für ihre Schützlinge: „Durch die Umbaumaßnahmen im Zuge der Busbeschleunigung ist der Bereich Edwin-Scharff-Ring/Gründgensstraße zu einer ganz gefährlichen Ecke geworden. Genau dort liegt die nächste Bushaltestelle. Unsere Kinder fahren häufig zu Veranstaltungen oder machen Ausflüge. Früher gab es dort eine Ampel und zwei Zebrastreifen. Das ist alles weg. Stellen Sie sich mal vor, mit einer Gruppe von bis zu 60 Kindern über so eine ungesicherte Kreuzung zu laufen – das ist eine Katastrophe.“ Tatsächlich wird auf der Internet-Seite des Wirtschafts- und Verkehrssenats ganz stolz der „Rückbau aller Ampelanlagen“ in der Gründgensstraße verkündet. Vom Rückbau der Zebrastreifen liest man allerdings nichts. Bei der zuständigen Senatsdienststelle heißt es: „An der westlichen Einmündung des Edwin-Scharff-Rings wurde die Gründgensstraße begradigt und die Haltestellen „Gründgensstraße West“ neu angelegt. In dem Zuge wurden die beiden Fußgängerüberwege (Zebrastreifen) durch eine Mittelinsel (30 m weiter östlich) und eine Aufpflasterung, bei der die Fußgänger gegenüber dem Kfz-Verkehr Vorrang haben (parallel zur Gründgensstraße), ersetzt. Bei der Mittelinsel muss der Fußgänger in zwei Schritten jeweils nur eine Fahrspur der Gründgensstraße queren. Bei dem dortigen Verkehrsaufkommen ist dies kein Problem. Die Maßnahmen wurden ausführlich mit der Polizei und dem Bezirk abgestimmt.“
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