Ritterstraße ohne Fahrstuhl

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Wer mit kleinen Kindern, einer Karre oder im Rollstuhl unterwegs ist, der kann die hohen Stufen hier kaum überwinden.Fotos: kg

Mit Kinderwagen ein Abenteuer

Eilbek. Mit dem Kinderwagen unterwegs sein und ganz bequem in die U-Bahn einsteigen, das ist nicht überall in Hamburg eine Selbstverständlichkeit. Auch dann, wenn an vielen Bahnhöfen bereits ein Fahrstuhl zur Verfügung steht, gibt es wiederum andere Stationen, an denen noch die alten steilen Treppen in die Tiefe fallen. Wer da mit kleinen Kindern und Kinderwagen oder im Rollstuhl unterwegs ist, der kann sich auf ein gewagtes Abenteuer einstellen. Auch am U-Bahnhof Ritterstraße findet man noch diese Stufen aus alten Zeiten ohne Rolltreppen vor und wenn nicht irgendjemand sich anbietet, um mit dem Kinderwagen zu helfen, dann bleibt man hier auf der Strecke. Immer auf Hilfe angewiesen zu sein, ist da nicht nur lästig, sondern gerade in der Rushhour auch eine besondere Herausforderung, denn keiner hat Zeit und viele können selbst die Last einer Karre oder eines Rollstuhls nicht heben. „Ich bin froh, dass ich hier heute nicht runter muss“, freut sich eine Mutter von zwei kleinen Kindern, die nur um die Ecke zum turnen geht. Immer erst zur nächsten Haltestelle mit dem Bus fahren, um dann einen Fahrstuhl vorzufinden, ist nicht gerade die leichteste Aufgabe, wenn kleine Kinder dabei sind, die vom Fahren müde geworden sind. Rollstuhlfahrer haben es da sogar noch etwas schlechter. Kaum jemand ist in der Lage einem Menschen im Rollstuhl zu helfen, um eine Treppe dieser Höhe zu überwinden. „Früher, als es noch gar keine Fahrstühle gab, da ging es doch auch“, argumentiert eine ältere Dame aus der Nachbarschaft, dich sich trotz ihres Verständnisses für die Diskussion um einen Barriere freien Zugang zu den Stationen auch wieder mehr Hilfe untereinander wünschen würde. „Keiner hat Zeit für den anderen und ein starker junger Mann könnte doch schnell den Kinderwagen hinuntertragen“, bedauert die Anwohnerin. Dennoch hat sie aus Solidarität auf der Unterschriftenliste von Nahid Zavar ihren Namen gesetzt. Das Engagement der Ladenbesitzerin von gegenüber hat ihr gefallen. Nahid Zavar hat ihren Laden für Zeitschriften und Zigaretten direkt an der U-Bahnstation Ritterstraße und kann täglich beobachten, wie Familien mit Kinderkarren, Älter und Menschen mit Behinderungen versuchen, die Stufen zu überwinden. Spontan hat sie eine Unterschriftenliste in ihrem Geschäft ausgelegt und mehrere hundert Stimmen jetzt im Bezirksamt abgegeben. „Wer nicht aktiv wird, der kann auch nichts bewegen“, meint sie. Ob die Unterschriften der Anwohner nur etwas bewirken werden, bleibt abzuwarten. Der erste Schritt in Richtung Fahrstuhl ist damit auf jedem Fall getan. (kg)
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