Rodung auf Dreiecksfläche

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Auf der Fläche zwischen Hasselbrookstraße, Papenstraße und Peterskamp liegen die gefällten Bäume Foto: mkb
 
Protest und Mahnung: Erst wenn der letzte Baum gerodet (...) ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann Foto: mkb

Baumfällarbeiten bereiten Bauphase für Eilbek 15 vor

Von Martin Kranz-Badri
Eilbek
Auf der Dreiecksfläche zwischen Hasselbrookstraße, Papenstraße und Peterskamp wurden die Bäume gefällt. Demnächst beginnen hier die Bauarbeiten für 62 Wohnungen und eine Kita. Wochenblatt-Reporter Martin Kranz-Badri hat sich ein eigenes Bild gemacht. Als ich durch den Jacobipark laufe, kriecht nass-kalte Luft in die Klamotten. Von weitem höre ich schon das dröhnende Bohren aus dem Eastside Park Loft Bauprojekt im Hochbunker am Ende des Parks. Die gegenüberliegende Rasenfläche ist mit rot-weißem Absperrband geteilt. Von hier aus wird das Ausmaß der seit Tagen auf Schildern angekündigten „Baumpflegearbeiten“ deutlich. Anwohner hatten dies Anfang letzter Woche zuerst bemerkt und auf der Facebookseite der Initiative „Eilbek wehrt sich!“ ein Foto gepostet. Verbunden mit der Frage, ob die umstrittene Bebauung des Dreiecksgrundstücks zwischen Hasselbrookstraße, Papenstraße und Peterskampweg nun beginne. Nachfragen beim Bezirksamt ergaben: Die auf Schildern angekündigten Baumpflegearbeiten sind bereits der erste Schritt des im Herbst in der Bezirksversammlung Wandsbek beschlossenen vorhabenbezogenen Bebauungsplans Eilbek 15.

Fläche der Verwüstung


Die angeordnete Teilrodung des Wäldchens hat Baumstümpfe, teils zersägte Stämme und gehäckselte Baumkronen übrig gelassen. Es sieht aus wie auf einem Schlachtfeld. Doch als ich die Fläche fast umrundet habe, spricht mich ein Rentner an: „Endlich passiert hier was. Die Entscheidung ist doch schon letztes Jahr gefallen. Sehen Sie: die schnellwachsenden Birken in der Mitte und die kranken Bäume haben sie gefällt und den alten Baumbestand am Rand stehen lassen. Auf diesen Kompromiss hatte man sich mit den Bürgern geeinigt.“ Die Bezirksversammlung hatte im November nach Prüfung mehrerer Varianten und einer öffentlichen Beteiligung die Position des Neubaus so festgelegt. Jetzt können die diese Fläche säumenden Straßen- und Großbäume auf der Nordseite und in der östlichen Spitze der Dreiecksfläche erhalten bleiben. Hier wird in den nächsten Monaten die Deutsche Immobilien Development zusammen mit der Hansa Baugenossenschaft Gebäude mit 62 Wohneinheiten bauen. Davon sind mindestens 30 Prozent öffentlich geförderte Sozialwohnungen, auch eine Kindertagesstätte mit etwa 60 Plätzen wird hier entstehen. Der Rentner fährt fort: „Das wurde doch kaum als Erholungsfläche genutzt, nur als Durchgang zum Jacobipark. Und 1954, als ich herzog, war das schon mal bebaut. Hier standen Baracken nach dem Krieg. Irgendwo müssen die Leute doch wohnen, die jungen Familien und auch die Flüchtlinge.“ Zwei Tage später treffe ich die Initiatorinnen der Anwohner-Initiative „Eilbek wehrt sich!“, Adina Cho, Renate Endrulat und Dagmar Ewert sind aufgebracht. „Unter der Dreiecksfläche war bisher nichts, nur reine Erde. Und die wird jetzt versiegelt,“ so Ewert. Endrulat ergänzt: „Eilbek war ein Moor, die umliegenden Gebäude stehen auf Pfählen.“ Ewert weist auf die Folgen der Versiegelung hin: „Die Tiefgarage muss ja als Wanne gebaut werden. Da kann dann kein Regen mehr versickern.“ Solche und andere Stellungnahmen der Bürger seien jedoch allesamt abgewiesen worden. Endrulat: „Das hat uns sehr entsetzt. Wir fühlen uns nicht wirklich beteiligt.“ Im Beteiligungsworkshop sei nicht klar geworden, dass es der Initiative nicht um einzelne Bäume gehe. Sondern um die gesamte Grünfläche und die Folgen für Mensch und Natur. Ewert: „Die Bäume bekommen jetzt weniger Sonne, weniger Wasser und werden zu Pflegebäumen. Es ging uns um die Lebensqualität in einem Bereich, wo im Sommer Hitzetage heftiger ausfallen.“ Auch andere Anwohner scheinen den Ernst der Lage erst jetzt richtig erkannt zu haben. Adina Cho: „Ich glaube, erst jetzt sind viele aufgewacht, jetzt, als die Bäume gefällt wurden.“ Unter den etlichen Plakaten an den Baumstümpfen sind zwei besonders eindrücklich. Zum einen die Weissagung der Cree-Indianer „Erst wenn der letzte Baum gerodet, ... werdet Ihr merken, dass man Geld nicht essen kann“ und „Es gibt Tage, da finde ich Hamburg richtig Sch...!“
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2 Kommentare
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Rainer Stelling aus St. Georg | 04.03.2016 | 13:06  
1.240
Elke Noack aus Rahlstedt | 04.03.2016 | 19:12  
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