Schock im Finanzamt

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Das Finanzamt Wandsbek in der Schloßstraße muss raus Foto: S. Kühn

Standorte Wandsbek und Bergedorf ziehen Ende 2016 nach Hammerbrook

Von Rainer Glitz
Bezirk Wandsbek
„Die Entscheidung wurde überfallartig verkündet, die Stimmung unter den Kollegen ist katastrophal“, berichtete eine kleine Delegation von Mitarbeitern des Finanzamtes in der Schloßstraße. Sie hatten sich in den Bürgersaal aufgemacht, um auf den bevorstehenden Umzug ihrer Behörde in die City Süd aufmerksam zu machen. „Privatleute und Geschäftsleute müssen künftig weite Wege zurücklegen, der direkte Kontakt zum Bürger geht verloren“, kritisierte Thomas Ripke in der Bürgerfragestunde zu Beginn der Sitzung der Bezirksversammlung. Bis zu 190 seiner Kollegen müssten mit dem Finanzamt in die Nordkanalstraße umziehen. Durch den Umzug und die Zusammenlegung entstehen nach Ripkes Schätzung Einnahmeverluste von bis zu fünf Millionen Euro, etwa weil es drei Monate lang keine Betriebsprüfungen geben werde.
„Nähe ist ein entscheidender Faktor“, pflichtete Eckard Graage von der CDU den Mitarbeitern des Finanzamtes bei, selbst von Beruf Steuerberater. Durch den oft jahrelangen Kontakt zu den Firmen vor Ort gebe es einen gewissen Ermessensspielraum, dies falle künftig weg. Eigentlich sollten in Wandsbek mehr Behörden angesiedelt werden, nun werde die City Süd auf Kosten Wandsbeks gestärkt. Eine solche Abwanderung sei immer schlecht, ergänzte Anja Quast für die SPD. Das sei keine bürgernahe Entscheidung, so Gerda Azadi von der Linken. Auch FDP und AfD sprachen sich gegen die Verlagerung aus.
Die Finanzämter Wandsbek und Bergedorf seien strukturell zu klein, heißt es in einem
Schreiben der Finanzbehörde an die Bezirksversammlung. Bis Ende 2016 sollen sie am neuen Standort in einem Neubau mit einer Fläche von 20.000 Quadratmetern in der Nordkanalstraße zusammengeführt werden. Das spare Miete, Personal- und Sachkosten. Das neue Finanzamt sei zentral gelegen und mit Bus und Bahn gut zu erreichen. Darüber hinaus soll es in Wandsbek und Bergedorf weiter möglich sein, Steuererklärungen und Belege abzugeben, Auskünfte einzuholen und Formulare oder Bestätigungen zu bekommen. Viele steuerrechtliche Fragen könnten aber künftig nicht vor Ort geklärt werden, halten dem die Mitarbeiter entgegen. Sie zeigten sich überrascht von der Zustimmung der Bezirksversammlung zu ihrer Kritik. Einstimmig beschlossen die Abgeordneten, die Frist für eine Stellungnahme zu der Standortentscheidung und dem Umzug zu verlängern.
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