Schöner als im „Tatort“

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Schriftstellerin Angelika Flotow lebt seit 30 Jahren im Stadtteil Jenfeld Foto: Jenssen

Autorin Angelika Flotow verteidigt „ihr“ Jenfeld gegen TV-Klischees

Von Martin Jenssen
Jenfeld. Wenn es um das Image der Hamburger Stadtteile geht, dann liegt Jenfeld weit hinten. Auf einer Linie etwa mit Billstedt, Horn und Mümmelmannsberg. Im Fernsehen tauchen diese Stadtteile immer wieder auf, wenn es um die Darstellung von Kriminalität in der Großstadt geht. Im Hamburg-„Tatort“ mit Wotan Wilke Möhring stammte ein junger Autobrandstifter aus Jenfeld. Mehrfach im Blickpunkt des Films: das Jenfelder Einkaufszentrum. Die renommierte Süddeutsche Zeitung schrieb über diesen TV-„Tatort“: „Während sich Tschiller (Till Schweiger) eine Verfolgungsjagd durch die Bauruine der Elbphilharmonie liefert, ermittelt Falke (Wotan Wilke Möhring) ganz bodenständig in Billstedt und Jenfeld, jenen Stadtteilen Hamburgs, wo viele Leute lieber nicht wohnen möchten!“

„Man kann in Hamburg zwar viel teurer und schönen wohnen, aber kaum angenehmer als in Jenfeld. Hier findet man überall freundliche und hilfsbereite Menschen.“ Angelika Flotow


Solche Sätze ärgern. Sie ärgern vor allem Angelika Flotow, eine Schriftstellerin aus Jenfeld, die kürzlich selbst einen Kriminalroman geschrieben hat, der in Jenfeld spielt. Ein Roman allerdings, in dem der Stadtteil nicht nach unten gezogen wird. Der Titel des Buches: „Tatort Gartenzaun“. Die pfiffige Handlung spielt in einem gutbürgerlichen Umfeld.
Und als einen völlig normalen Stadtteil empfindet die Autorin Jenfeld. Eine Klassifizierung von ärmeren Stadtteilen in Gebiete mit niedrigem sozialen Niveau ist ihrer Meinung nach ungerecht und völlig falsch. „Gemeine Verbrecher gibt es überall“, erklärt sie. „In den noblen Stadtteilen sind diese Menschen vielleicht nur etwas raffinierter und lassen sich nicht so leicht
erwischen.“
Um zu zeigen, dass Jenfeld ein wunderbarer Stadtteil mit zauberhaften Grünanlagen, schönen Wanderwegen und vielen netten Menschen ist, lud Angelika Flotow das WochenBlatt zu einem Spaziergang durch den Stadtteil ein. Ihre Meinung: Man kann in Hamburg zwar viel teurer und schönen wohnen, aber kaum angenehmer als in Jenfeld. In Jenfeld findet man überall freundliche und hilfsbereite Menschen.
Genau das bekommen wir auf dem Spaziergang zu spüren. Wir laufen durch die Glatzer Straße an frisch renovierten SAGA-Häusern vorbei; eine blitzsaubere Wohnanlage.
Durch einen versteckten Fußweg geht es direkt in die Feldmark. Die Spaziergänger, die uns begegnen, grüßen, geben hilfsbereit auf alle Fragen Antworten.
An der Grenze zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein kann man, vorbei an Feldern, Wiesen, Büschen und Bäumen, stundenlang spazieren gehen. Der Wanderweg führt nach Rahlstedt oder nach Barsbüttel. „Auch das ist Jenfeld!“ sagt Angelika Flotow, 1945 in Itzehoe geboren, stolz und deutet auf die grünen Wiesen.
Auf Jenfelder Gebiet läuft man an mehreren, mit vielen Geräten bestückten Spielplätzen vorbei - wovon einer allerdings sehr verschmutzt ist. Junge Leute hatten in der Nacht die Müllablagen verwüstet. Nicht schön, aber einer von den Vorfällen, von dem kaum ein Stadtteil verschont bleibt.
Weiter führt der Weg über den Schleemer Bach zum Pferdehof „El Chaos Ranch“ und zu einem Teich, auf dem sich einen Schwanenpärchen sichtlich wohl fühlt. Durch die Görlitzer Straße, vorbei an schönen Wohnhäusern mit üppig blühenden Gärten, führt der Weg dann nach „Jentown City“, dem Einkaufszentrum am Öjendorfer Damm, das häufig als Symbol herhalten muss, wenn es um sozialen Niedergang geht. Auch dort treffen wir nur nette, hilfsbereite junge und alte Menschen. „Ich habe es nie bereut, dass wir vor 30 Jahren aus Marienthal nach Jenfeld gezogen sind“, sagt die Schriftstellerin. „Meine Familie fühlt sich hier ausgesprochen wohl!“ Daran ändere auch nichts, wenn ein Fernsehfilm den Stadtteil mal wieder nach unten zieht.
Der Jenfeld-Krimi „Tatort Gartenzaun“ ist vor kurzem im Schardt Verlag erschienen. Preis: 12,80 Euro. (je)
Lesetermine: Sonntag,
16. Juni, 16 Uhr: Im „Waschhaus“ am Wesselyring 51, Donnerstag, 22. 8., 19 Uhr: Kulturschloss Wandsbek, Königsreihe 4, Sonnabend,14. 9. (Uhrzeit steht noch nicht fest): Jenfeldhaus, Charlottenburger Straße 1
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1 Kommentar
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Susanne Mette aus Jenfeld | 08.05.2013 | 22:33  
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