Spannende Geschichten vom Bramfelder Schulweg

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Seine erste Schule – heute ein Ärztehaus: Heiko David (rechts) an der Ecke Dorfplatz/Bramfelder Chaussee Foto: Hertel

Heiko David lässt auf seinen Führungen durch den Hamburger Stadtteil die dörfliche Idylle lebendig werden

Von Michael Hertel
Bramfeld
„Wir waren keine braven Schüler, eher berüchtigt“, weiß er noch heute. Der Klempnermeister und Unternehmer Heiko David (Jahrgang 1942) kann viele Geschichten aus seiner Kindheit und Jugend im dörflichen Bramfeld erzählen. Das tut das ehrenamtlich bei Führungen des Stadtteilarchivs, die über seinen früheren Schulweg führen. Unterwegs schildert er eine Welt, die mit der heutigen kaum noch etwas gemein hat. Dabei ist alles noch gar nicht so lange her. Im Jahr 1949 wurde David in die Bramfelder Dorfschule eingeschult, zunächst mit 45 (!) Klassenkameraden. Das Gebäude war noch kurz zuvor ein Militärlazarett gewesen. „Die Klos in einem Nebengebäude waren so scheußlich, dass sich viele Kinder lieber in die Hosen gemacht haben.“ Der Hausmeister hielt Hühner auf dem Gelände. „Klar, dass wir dem bei jeder Gelegenheit Eier geklaut haben.“ Das Klauen war damals oft überlebenswichtig. Heikos Bruder besuchte die „Barackenschule in der Herthastraße“. Als Schulgeld musste jeden Tag ein Brikett für den Ofen mitgebracht werden. Bei Kremer Lehsten ließ man anschreiben, auch beim Gemüsehändler Labahn. Leergut „organisierte“ man sich auf der Rückseite des Ladens und verkaufte es anschließend an den Händler zurück: eine Bierflasche brachte 10 Pfennige, die Brauseflasche 20 Pfennige Pfand. Heiko David steht im rauschenden Verkehr an der Einmündung Dorfplatz/Bramfelder Chaussee und erinnert sich an seine Zeit als Schülerlotse: „Die Chaussee war damals ein Knüppeldamm mit Kopfsteinpflaster und nur halb so breit wie heute.“ Ein paar Meter weiter eine beliebte Pizzeria – die Jahreszahl 1912 ist noch an der Schmuckfassade zu lesen: „Hier waren der Bürgermeister von Bramfeld und das Standesamt untergebracht“, weiß der Stadtteilführer noch. Die fünfköpfige Familie David war in den letzten Kriegstagen ausgebombt worden, erhielt dann eine Laube in der Siedlung „Schreber Barmbek von 1919 e.V.“ an der Haldesdorfer Straße und wohnte dort auf 29 Quadratmetern: „Kein Wasser, kein Gas, kein Strom.“ Die nächste Wasserpumpe war 800 Meter entfernt. Auf dem alten Schulweg zeigt David immer wieder Grundstücke, auf denen noch in den 1950iger-Jahren traditionelle Bauernhäuser gestanden haben, wie die der Brüder Jahnke (bekannt durch das Autohaus), als sie noch Bauern waren. Direkt daneben, vor dem heutigen Kaufland-Parkhaus, lag der Dorfteich. Der größte Teil des Schulwegs wurde von Feldern (Rhabarber) gesäumt. Die Milch holte man bei Bauer Kruse. Im Sommer lief Heiko den Weg barfuß, begleitet von Rindvieh, das auf die Weiden getrieben wurde. Heiko David entführt Interessenten kenntnisreich und kurzweilig in eine (scheinbar) heile Welt. Die Führungen des Stadtteilarchivs können übrigens auch von Gruppen gebucht werden.

Kontakt: Telefon 6915121
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