Stammgäste kämpfen für Renate

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Die Eckkneipe „Bei Renate“ in Hinschenfelde muss schließen

Kultkneipe in der Walddörfer Straße muss schließen. Mietvertrag läuft aus

Von Rainer Glitz
Hinschenfelde. Die Fassade stammt aus den 50er Jahren, die Einrichtung ist eher rustikal. Tische, Stühle und Täfelung aus dunklem Holz, zwei Spielautomaten, Pokale stehen über einer Sitzbank, aus den Lautsprechern ertönt Schlagermusik. „Bei Renate“ sieht genauso aus, wie man sich eine klassische Eckkneipe vorstellt.
Doch nach 32 Jahren soll für Inhaberin Renate Niebling Schluss sein. Ihr Mietvertrag wurde gekündigt, Ende August ist Schluss in der Walddörfer Straße Ecke Kedenburgstraße. Doch die Stammgäste wollen das nicht so einfach hinnehmen.

Spontane
Solidaritätsaktion

„Renate muss bleiben“ steht auf einem Transparent über dem Kneipenschild. „Ich wohne seit fünf Jahren in Hinschenfelde und möchte mein Bier auch gerne weiter hier trinken“, sagt Klaus Wiegmann.
Er hat einen Solidaritäts-Abend mit Live-Musik in der Eckkneipe organisiert. Eine spontane Aktion, wie er sagt. „Hier verschwindet die letzte Kneipe, in die jedermann gehen kann. Damit geht auch ein Stück Stadtteilkultur verloren.“
Stammgast Olaf Hanf hat eine Unterschriftenliste vorbereitet, die er jedem gleich unter die Nase hält. Er glaubt nicht, dass er damit noch etwas erreicht, sagt aber: „Man weiß ja nie, vielleicht ändert sich ja doch noch etwas.“

Mittelpunkt des Stadtteils

Die Eckkneipe sei der soziale Mittelpunkt des Stadtteils. Hierher kämen die Sportler des TSV Wandsetal, aber auch viele Senioren zum Kartenspielen oder zum Frühschoppen. „Hier gibt es nie Ärger, es bleibt immer friedlich“, betont Hanf.
„Es ist gigantisch, was meine Gäste hier auf die Beine gestellt haben, ich bin überwältigt“, sagt Renate Nieblich, die Inhaberin und Namensgeberin.
Am ersten November 1981 übernahm sie das „Bavaria Bräu Stübel“. Damals gab es jede Menge Kneipen in Hinschenfelde, eine nach der anderen schloss. „Bei Renate“ wurde für viele zur neuen Stammkneipe.
Doch trotzdem kam es vor drei Jahren kurzfristig zu finanziellen Problemen – es ging um die Frage, ob es ein Raucherlokal bleiben sollte oder nicht. „Ich habe die Miete ein paar Mal verspätet gezahlt“, gibt Renate Niebling zu. Dies nehme der Vermieter nun als Anlass zur Kündigung. Er möchte offenbar keine Gastronomie mehr in dem Haus in der Walddörfer Straße.

Die 40 „vollmachen“

Eigentlich wollte Renate Niebling noch die 40 Jahre „vollmachen“, wie sie sagt. Daraus wird nun vermutlich nichts mehr. „Natürlich blutet einem da das Herz, ich kann seit Wochen nicht mehr schlafen“, erzählt die 59-Jährige. Sie würde gerne weiter in der Gastronomie
arbeiten.
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