Streit über Bauschäden

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Das mehr als 100 Jahre alte Wohnhaus in der Bandwirkerstraße. Fotos: rg

Mieter in Wandsbek warten auf Lösung

Von Rainer Glitz
Wandsbek. Das mehr als 100 Jahre alte Wohnhaus an der Bandwirkerstraße 28 in Wandsbek hat seine besten Zeiten hinter sich. Die sechs Wohnungen darin sind klein, aber billig. Die Fassade hat Risse. Viele Risse. Und die setzen sich auch in Schlafzimmer, Wohnzimmer und Küche von Fabrice-Marcel Böhnk fort. „Ich traue mich gar nicht, Nägel in die Wand zu schlagen, um meine Bilder aufzuhängen“, sagt der 25-jährige Mieter. Die Fensterrahmen sind verzogen, nur eins von fünf Fenstern lässt sich problemlos öffnen, eines ist sogar mit einer Balkenkonstruktion regelrecht verrammelt. „Ich kann nicht richtig lüften“, erzählt Böhnk. Er fürchtet nun auch noch Probleme mit Schimmel. Direkt neben dem historischen Wohnhaus befindet sich eine Baustelle. Wand an Wand entsteht ein viergeschossiger Komplex mit Jugendwohnungen für einen freien sozialen Träger.
Für Jens Wiegmann ist der Fall klar: Diese Baustelle ist Ursache der großen Risse. Seiner 88-jährigen Mutter gehört das alte Haus. „Beim Ausheben der Baugrube sind Fehler gemacht worden“, erklärt der 58jährige. Erst seit dieser Zeit seien die Schäden aufgetreten. Die Bewohner haben laut Wiegmann alle die Miete gemindert, auch wegen des Baulärms. Ein Mieter sei bereits entnervt ausgezogen.
Der Bauherr des Neubaus, das Familien- und Jugendhilfeteam e. V. (FJHT), sieht die Dinge anders. Ein vereidigter Sachverständiger habe vor Baubeginn den Zustand des Nachbarhauses festgestellt, heißt es in einer schriftlichen Stellungname des FJHT-Geschäftsführers Awat Lilienthal. Und weiter: „Das erstellte Gutachten dokumentiert diverse Vorschäden am Gebäude, insbesondere Risse im Mauerwerk“. Man habe bei einem Treffen zugesagt, nachweislich durch die Bauarbeiten verursachte Schäden zu beseitigen, „mehr aber auch nicht“. Einen Teil der geminderten Miete erstattet die Jugendhilfeeinrichtung übrigens der Vermieterin. Der Mieterverein zu Hamburg wertet das als eine Art Schuldeingeständnis.
Nun soll ein weiteres Gutachten erstellt werden, um zu klären, wessen Versicherung die Kosten trägt: Die des Bauherrn, der Baufirma oder der Abbruchfirma. Der Streit geht also weiter, womöglich noch viele Monate. Nicht nur die 88jährige Vermieterin, die in einem Pflegeheim lebt, leidet unter der Situation. Es sind vor allem die Mieter in der Bandwirkerstraße 28.
Fabrice-Marcel Böhnk versucht, die Sache mit Humor zu nehmen. „Ich bin ein geduldiger Mensch“, sagt der 25-Jährige, „ich bleibe, bis alles in meiner Wohnung fertig ist“. Es ist übrigens seine erste eigene Wohnung.
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