Streit um Markisen in Farmsen

Anzeige
Helga H. hat nun eine billige Markise in den gewünschten Farben, die sie nach neustem Stand auch gar nicht hätte kaufen müssen. Foto: Grell

Neukauf war völlig umsonst

Von Karen Grell
Farmsen. Im Swebenbrunnen im Stadtteil Farmsen gab es vor zwei Jahren ein Drama um die Markisen der kleinen Reihenhäuser aus den 50er Jahren.
Die Sanierung der Häuser und deren neue Farbgestaltung brachte die Mietergenossenschaft Farmsen auf die Idee, auch die Markisen, die an vielen Hauswänden seit Jahren befestigt waren, jetzt zur Fassade passend zu verlangen. Kein großes Problem für alle, die sich gerade einen neuen Sonnenschutz zulegen wollten, ein sehr großes Problem allerdings für alle, die ihre Markise gerade erst in einer völlig andern Farbgestaltung installiert hatten. Viele der bestehenden Markisen waren zwar schon etwas älter aber dennoch absolut passabel, nur plötzlich in der falschen Farbe.
Helga H. lebte zu der Zeit bereits seit 50 Jahren in der Siedlung und hatte gerade erst eine Ehrung der Genossenschaft für diese vielen Jahre entgegengenommen. Für ihr Sonndach hatte sie über 1000 Mark bezahlt. Leider hatte diese Markise außer dem vorgeschriebenen gelben und weißen Streifen, passend zum neuen Anstrich, aber auch noch einen braunen Farbton. Absolut undenkbar für die Mietergenossenschaft, die Helga H. als schriftlich aufforderte, die Markise unverzüglich zu entfernen. Helga H. konnte sich die Situation nicht erklären, gab es doch noch viele weitere Markisen in der Straße, die dem gewünschten Farbton nicht entsprachen. Helga H. legte Widerspruch ein und bat um Erklärung.
„Mir wurde dann sofort mit dem Anwalt und hohen Kosten für die Entfernung der Markise gedroht“, erzählt die 79-Jährige noch heute völlig entsetzt. Nach 50 Jahren, in denen sie bei der Gestaltung der Siedlung mitgewirkt hatte und stets pünktlich die Miete zahlte, hätte sie sich einen anderen Umgang gewünscht. „Das Schreiben hat mich am meisten verletzt“, so die langjährige Mieterin. Helgas Sohn entfernte dann den Sonnenschutz und besorgte ihr eine neue Markise in den von der Genossenschaft gewünschten Farben. „Wir sollten dann mit einer Stoffprobe vorbeikommen“, erinnert sich Helga H.
Was nun, zwei Jahre später, passiert ist, finden Mutter und Sohn allerdings noch unfassbarer. Nach dem neusten Stand um den Markisenstreit dürfen die alten Markisen, egal in welcher Farbe, nun doch „abgewohnt“ werden, was bedeutet, dass „sie eben einfach hängen bleiben dürfen“, so Helga H. Ihre schöne hochwertige Markise ist sie nun unnötigerweise los und hat zudem für die günstigere, die sie gar nicht haben wollte, noch ein paar Hundert Euro ausgegeben. „Wo bleibt da bloß die Gerechtigkeit“, fragt sie sich und ist von ihrer Siedlung nach über 50 Jahren zum ersten Mal so richtig enttäuscht ist.
Anzeige
Anzeige
1 Kommentar
6
Petra Benthin aus Farmsen-Berne | 06.09.2012 | 15:27  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige