Streitbare Senioren

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Der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Karl-Heinz Warnholz (l.) und der Hausbeirat des Seniorenzentrums kämpfen für den Erhalt der bisherigen Betreuung Foto: wb

Bewohner kämpfen für ihre Betreuung. Klage gegen neues Konzept geplant

Von Rainer Glitz
Meiendorf
Der Saal im Seniorenzentrum Nordlandweg ist bis auf den letzten Platz gefüllt, es ist warm und stickig. Die Bewohner machen ihrem Unmut Luft, sind besorgt und haben Angst vor dem, was kommt. Bislang kümmern sich insgesamt acht Mitarbeiterinnen des Trägers, der städtischen Flutopfer-Stiftung von 1962, rund um die Uhr um die 520 Bewohner. „Eine Schwester ist immer hier“, erläutert der Wandsbeker Rechtsanwalt Jürgen Mattulat. Man kennt und vertraut sich. Nachts und am Wochenende soll dies ab September nicht mehr so sein. Dann soll im Notfall der Arbeiter-Samariter-Bund ASB anrücken. Eine entsprechende Notrufanlage soll ab dieser Woche installiert werden. Und hier will Anwalt Mattulat ansetzen – mit einer einstweiligen Verfügung und einer Klage von drei Betroffenen vor dem Amtsgericht Wandsbek. „Alles soll so bleiben, wie es ist“, erläutert der Jurist. Alle Anwesenden stimmen für dieses Vorgehen. Und nahezu alle haben mit ihrer Unterschrift ihren Protest gegen die geplante Änderung ausgedrückt. „Die Schwestern sind seit 40 Jahren Bestandteil des Vertrages mit der Stiftung, viele wohnen genau deshalb hier“, erläutert Reinhard Sauer, Sprecher des Hausbeirates. Und seine Ehefrau Hannelore Christ ergänzt: „Viele haben ihr letztes Geld investiert, um hier zu leben. Sie können gar nicht ausziehen.“ Psychoterror, Erpressung und Nötigung werfen die Senioren der Verwaltung vor. „Die Bewohner wurden überaus kurzfristig durch die städtische Flutopferstiftung vor vollendete Tatsachen gestellt“, sagt der Rahlstedter CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Karl-Heinz Warnholz. Hier werde auf Kosten der Bewohner und der Arbeitsplätze der Schwestern eine bewährte Betreuung vor Ort durch ein undurchsichtiges, teureres Konzept zugunsten eines großen ambulanten Pflegedienstes ersetzt.
Warnholz hat nicht nur den Anwalt vermittelt, sondern auch eine kleine Anfrage an den Senat gestellt. Das bisherige Konzept umfasse Information und Beratung, Unterstützung in Krisensituationen, Vermittlung von Dienstleistungen und Kontakten sowie Freizeitangebote, heißt es in der Antwort. Dies werde auch so bleiben. Der ASB übernehme lediglich den Hausnotruf. Und dessen Qualität werde deutlich verbessert: So könnten künftig mehrere Notrufe gleichzeitig bearbeitet werden, und das mit Sprechkontakt. Die Bewohner überzeugt das nicht. Sie wollen für ihre Schwestern kämpfen. „Und zur Not auch demonstrieren“, so Reinhard Sauer.
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