Tafel Großlohe droht Schließung

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Rentner Adolf wartet geduldig im Regen. Er ist aufgrund seiner niedrigen Rente auf die Lebensmittel der Tafel angewiesen Foto: Grell
Hamburg: Weg Großlohe |

Zu wenig Raum für immer mehr Bedürftige bei der Tafel in Großlohe. Lebensmittelausgabe braucht dringend größere Räume

Von Karen Grell
Großlohe
Es regnet in Strömen, der Wind knickt die Regenschirme in die Höhe und schon nach wenigen Minuten ist jeder, der ohne wetterfeste Jacke gekommen ist, bis auf die Haut durchnässt. Adolf, fast 80 Jahre alt, trotzt dem Wetter und steht weiter in der Schlange vor der Lebensmittelausgabe der Ahrensburger Tafel in Großlohe. „Manches Mal ist es mir auch ein wenig unangenehm“, verrät der Rentner, dessen monatliche Einkünfte einfach nicht ausreichen, um gut davon leben zu können. 

200 Bedürftige in der Warteschlange

Mit ihm warten an diesem Nachmittag rund 200 weitere bedürftige Anwohner auf frisches Brot, ein wenig Gemüse und mit Glück auch auf ein Paket Hackfleisch, um ihre Familien über die Runden zu bringen. Pedro Lopes, der Koordinator der Tafel in Großlohe weiß: „In den vergangenen Jahren ist die Anzahl der Hilfesuchenden angestiegen.“ Deshalb musste er bereits einen Aufnahmestopp verhängen, weil die Räumlichkeiten die steigende Nachfrage einfach nicht mehr auffangen können. 

Nur 35 Quadratmeter Platz

Zur Verfügung gestellt hat fördern & wohnen den etwa 35 Quadratmeter großen Raum, der mit bis unter die Decke gefüllten Regalen kaum Platz zum Umdrehen bietet. „Wir müssen bei Wind und Wetter das Obst und Gemüse draußen vor der Tür sortieren“, sagt Lopes, das sei eine absolute Überforderung für die ehrenamtlichen Helfer, die gerade bei Regen und Schnee nicht in der Kälte ausharren wollen. Ein neues Domizil mit mindesten 60 Quadratmetern und einem zusätzlichen Lagerraum wäre hier notwendig. „So können wir nicht weitermachen“, heißt es aus dem Team, „zur Not müssen wir zum Ende des Jahres schließen“. 

Bis zu 400 Kunden pro Ausgabetag

Immer dienstags und freitags kommen bis zu 400 Personen zur Ausgabe, die dann insgesamt eintausend Menschen versorgt, denn oftmals gehören Familien mit mehreren Kindern und weiteren Angehörigen dazu. Genug Lebensmittelspenden gibt es zurzeit noch, berichten Karla Kock und Brigitte Guoß, die hier seit fast zehn Jahren ehrenamtlich helfen und wissen, wie sehr die Bewohner des Stadtteils auf die Hilfe von außen angewiesen sind. „Es wäre eine regelrechte Katastrophe für viele, wenn wir hier schließen müssten“.

Neue Räume dringend gesucht

Zur Tafel Großlohe kommen zurzeit nicht nur Familien, die direkt im Viertel wohnen, sondern auch Menschen aus Wandsbek und Billstedt. Hier muss die Hamburger Tafel gerade Sanierungsarbeiten durchführen und so die Bedürftigen an andere Ausgabestellen verweisen. Bernd Linde, der Leiter der Ahrensburger Tafel, hofft darauf, möglichst zeitnah an neue Räume zu kommen, denn die aktuelle Situation will er seinen Helfern nicht länger zumuten. „Es muss unbedingt schnell eine neue Lösung gefunden werden“.
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