Tango für Toleranz

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Karla Lewerendt, die „gute Seele“ der integrativen Tanzgruppe Foto: Jenssen

Behinderte lernen die Schritte in der Tanzgruppe Herde seit 36 Jahren

Von Martin Jenssen
Wandsbek
Es ist Freitag am frühen Abend. Gepolter ist zu hören aus der Aula der Schule an der Bovestraße. Dazu erfüllen Musik und fröhliches Lachen den Raum. Es wird getanzt. Ein bunte Gruppe ist auf dem Parkett. Behinderte und nichtbehinderte Menschen führen einander über die Tanzfläche, lächeln einander an oder lachen laut, wenn die Tanzlehrer Volker Schwab und Aglaia Kapphengst einen Spaß machen.
Die „Tanzgruppe Herde“, die seit 36 Jahren besteht, trifft sich immer freitags von 17 bis 18.30 Uhr (außer in den Ferienzeiten) an der Bovestraße. Die Gruppe besteht zur Zeit aus 25 behinderten Tänzern und 18 Tanzpartnern, die Hilfestellung geben beim Tanzunterricht für Standart- und Lateintänze. Die Tanzlehrer und alle Helfer der Tanzgruppe arbeiten ehrenamtlich.
„Es ist eine Freude, zu beobachten, mit welcher Begeisterung und Konzentration die Tänzer bei der Sache sind. Die Tanzlehrer und ihre Helfer sind begeistert von der Offenheit und Ehrlichkeit der behinderten Tanzschüler. Die Tanztherapie gibt den Teilnehmern Lebensfreude und Selbstsicherheit“, sagt Karla Lewerendt (79), deren Tochter am Down-Syndrom leidet, aber von Anfang an als begeisterte Tänzerin dabei ist.
Mutter Karla ist der „gute Geist“ der Truppe. Sie beschaffte, trotz großer Schwierigkeiten, immer wieder einen Tanzsaal für die Truppe, organisiert Feste und Ferienzeiten.
Ins Leben gerufen wurde die Tanzgruppe im Jahre 1979 durch Tanzlehrer Walter Herde. Er lernte die Behinderten kennen und schätzen, als sie in den Stormarner Werkstätten in Ahrensburg für seine Tanzschule gewissenhaft Prospekte verpackten. Damals kam ihm die Idee, den behinderten jungen Leuten einen kostenlosen Tanzkursus anzubieten.
Karla Lewerendt: „Als wir die Behinderten fragten, ob sie an einem Kursus teilnehmen möchten, bekamen wir begeisterte Zustimmung.“ Bis heute kommen immer wieder neue Tänzer dazu. „Oh ja, da machen wir gerne mit“, heißt es dann, wenn Behinderte von dem Angebot hören. Für seine vorbildlichen Bemühungen für die Integration von behinderten und nichtbehinderten Menschen bekam Herde 1989 von Bundespräsident Richard von Weizsäcker das Bundesverdienstkreuz.
Tanzen konnte die Gruppe viele Jahre im Ballsaal der Tanzschule Herde an der Rantzaustraße. Im Herbst 1999 verkaufte das Ehepaar Herde die Gebäude an die Hamburger Lebenshilfe. Karla Lewerendt: „Man gab uns das Versprechen, dass wir dort auch weiterhin tanzen dürften. Ein Versprechen, das leider nicht gehalten wurde.“ Häufig musste man neue Tanzsäle suchen. Die Mitglieder der Tanzgruppe sind glücklich, dass sie inzwischen von der Schule an der Bovestraße so nett aufgenommen wurden.

Wer die Tanzgruppe unterstützen möchte, kann sich an Karla Lewerendt wenden. Telefon: 04102/5 59 14. Gesucht werden vor allem ehrenamtliche Tanzpartner.
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