Tier- und Kinderparadies im Nordosten von Hamburg

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Galloway-Rinder prägen die Landschaft Foto: NANO
 
FÖJlerin Marietta Liske bei der Arbeit Foto: Möller

Das Naturschutzgebiet Höltigbaum und das Haus der Weiden in Rahlstedt ist immer einen Besuch wert

Von Christa Möller
Hamburg-Rahlstedt
Die Mitarbeiter von Jan Hellwig sind sehr naturverbunden: Zum Personal des Leiters vom Haus der Wilden Weiden zählen 221 Vierbeiner, darunter 37 Galloway-Kühe, die ganzjährig draußen leben, 36 Färsen, zwei Bullen und 25 Kälber, die allerdings mit sieben, acht Monaten verkauft werden. Von der Geschichte des 1933 errichteten einstigen Truppenübungsplatzes Höltigbaum zeugen heute noch Betonfragmente. An die zuvor umgesiedelten
landwirtschaftlichen Betriebe erinnern nur noch einige Mauerreste – und alte Obstbäume. Weil das Gebiet während der militärischen Nutzung größtenteils frei von Buschwerk blieb, konnten sich unter anderem das seltene Borstgras, das Tausendgüldenkraut und die Rundblättrige Glockenblume ungestört entfalten. Auf einer Feuchtwiese wächst das breitblättrige Knabenkraut. Der tierischen Artenvielfalt kam das ebenfalls zugute. Während allgemein der Insektenbestand in der Landschaft rapide zurückgegangen ist, gibt es hier seltene Käfer, die im Kot der Galloway-Rinder leben und wiederum Nahrung für Vögel wie den gefährdeten Neuntöter sind. „Von daher ist das so eine Oase, ein Hotspot der Artenvielfalt.“

Natur im Norden


Seit 2013 ist die Stiftung Natur im Norden Träger des Naturschutzgebietes Höltigbaum, seither arbeitet der zuvor in der Umweltbildung im Wildpark Eekholt tätige studierte Landschafts- und Umweltplaner Jan Hellwig hier. 1995 gab die Bundeswehr das Gelände auf, 1997/1998 wurden die Naturschutzgebiete ausgewiesen und von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein betreut, von der die Stiftung Natur im Norden die Schleswig-Holsteinischen Flächen gepachtet hat. „Sie unterstützt uns auch fachlich und finanziell“, sagt Hellwig. Das gilt auch für die Hamburger Behörde für Umwelt und Energie, von der die Hamburger Flächen gepachtet sind. Bis 2013 war für den Bildungsbereich der Verein „Weidelandschaften“ tätig, der diesen Einsatz dann aber aus finanziellen Gründen nicht fortführen konnte.

Haus der Wilden Weiden


Vor sechzehn Jahren entstand das Gras gedeckte Holzhaus, das den Bürobereich beherbergt. Immerhin rund achtzig Prozent seiner Arbeitszeit verbringt Hellwig am Schreibtisch, denn „Naturschutz ist sehr viel Verwaltung.“ Dennoch bleibt Gelegenheit für praktische Arbeiten wie die Tierkontrolle im Außenbereich, in dem sich noch die Umweltbildungsscheune, Ställe und das 2007 erbaute Ausstellungsgebäude, das „Haus der Wilden Weiden“ befinden. Und natürlich genießt er auch gern mal die Abendstimmung auf der so genannten Hofweide. Der Höltigbaum zählt übrigens zu den ersten Flächen in Deutschland, auf denen das Konzept der Halboffenen Weidelandschaft umgesetzt wurde, es wurde wissenschaftlich begleitet und vom Bundesamt für Naturschutz gefördert. „Wir probieren aus, wie wir die Flächenpflege optimieren können“, erläutert der gebürtige Hamburger, der inzwischen in Kiel lebt, mit Blick auf den jetzt fertig gestellten Pflege- und Entwicklungsplan. Gehölzaufwuchs gelte es zu verhindern. „Die Tiere können das eindämmen, aber nicht verhindern. Da müssen wir nachsteuern.“ Hellwig, der mit seinem Team das angrenzende 200 Hektar große Stellmoorer Tunneltal teilweise mit betreut, freut sich über ehrenamtliche Helfer bei dieser Arbeit, die vom Naturschutzbund Deutschland und der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald unterstützt wird. Ein Landwirt kümmert sich um den Viehbestand, neben Hellwig ist er der einzige Vollzeitbeschäftigte hier. Ergänzt wird das Team von einer Verwaltungskraft, einem landwirtschaftlichen Helfer, zwei Mitarbeitern in der Umweltbildung und zwei FÖJ’lern. „Wir wollen nicht nur Naturschutz machen, sondern auch erzählen, warum.“

Spezielle Projekte


Spezielle Projekte vermitteln Kindern einen Einblick in die Natur, so etwa „Wilma von den Wilden Weiden“ für Kindergärten und Grundschulen. Der Nachwuchs kann an acht übers Jahr verteilten Terminen beispielsweise erforschen, was im Wasser lebt oder die Geheimnisse eines Kuhfladens ergründen. Zehn bis zwölf freiberufliche Pädagogen komplettieren in diesem Bereich die Arbeit des Stiftungsteams. „Es ist eine reizvolle Aufgabe hier, weil sie viele unterschiedliche Bereiche abdeckt. Diese Kombination ist toll“, sagt Hellwig mit Blick auf die Organisation von Landwirtschaft, Umweltbildung und Ausstellungshaus.

Weitere Infos: www.hoeltigbaum.de
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