Toben gegen den Stress

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Helfer und Flüchtlingskinder im neuen Bewegungsraum Foto: mbk
 
Flüchtlingskinder an ihrer Kletterwand Foto: mbk

Farmsener Sportverein SC Condor engagiert sich für Flüchtlingskinder

Von Martin Kranz-Badri
Farmsen
„Betreten der Baustelle verboten – Eltern haften für ihre Kinder“ steht am Zaun vor der Flüchtlingsunterkunft Farmsen 2. Hinter dem Zaun könnten die Flüchtlingskinder spielen, doch die Freifläche wird erst noch umgestaltet. Drinnen im Flüchtlingsheim, dem ehemaligen Berufsförderungswerk, gibt es jetzt für die Kinder jedoch eine echte Attraktion: Vorigen Freitag wurde der Bewegungsraum
offiziell eröffnet. Umgebaut und betreut vom SC Condor, dem Sportverein, der schon mit Tischtennis, Fußball und anderen Angeboten den Alltag der jüngeren Heimbewohner bereichert. Zuvor bestand das Angebot in dem etwa 50 Quadratmeter großen, sehr kargen Raum nur aus Bällen, Hula-Hoop-Reifen und Spielen. Gaby Kruber, Vereinstrainerin für Psychomotorik vom SC Condor, riss mit ihrem Freund den alten Teppich aus dieser ehemaligen Werkstatt heraus und verlegte einen neuen. Das Gymnasium Farmsen spendete ein paar ausrangierte Matten, Bänke und Kleingeräte. Ein Minitrampolin kam vom SC Condor. Eine Großspende einer Ärztin aus Eppendorf ermöglichte das Highlight der Kinder – die selbstgebaute Kletterwand.

Klettern als Traumatherapie


Geschickt hangeln sie sich an den Griffen entlang, um von ganz oben herunter zu springen. Sie sind ausgelassen und scheinen unendlich viel Energie zu haben. Und viel Nähe zu brauchen. Einige Kinder kuscheln sich an Gaby Kruber und an die zweite Betreuerin Cindy an, später auch an den Wohnheimleiter Jürgen Fahs.
Cindy ist Abiturientin, wohnt in der Nachbarschaft und bot an, Mittwochnachmittags mit zu betreuen. Dadurch können nun bis zu 20 Kinder mitmachen, „in den Ferien wollten aber auch schon 35 kommen, der Bedarf für weitere Nachmittage ist also da. Es braucht nur noch mehr Betreuer“, freut sich Kruber. Die Kletterwand sei aber nicht nur ein zusätzliche Spaß: „Klettern ist bei diesen traumatisierten Kindern nicht nur wegen des natürlichen Bewegungsdrangs sinnvoll, sondern auch therapeutisch wirksam. Wie bei der Entspannungsmethode der Progressiven Muskelentspannung werden an der Wand Stresshormone abgebaut.“ Jürgen Fahs ist als Heimleiter „stolz, dass dieser Raum entstanden ist, wo es doch so wenig Freiräume auf dem Gelände gibt und die Kinder sich einfach austoben müssen.“ Farmsen 2 ist eine Unterkunft überwiegend für größere Familien in Einzimmerappartements mit Küche. Die beengte Wohnsituation muss für die Bewohner also irgendwie ausgeglichen werden. Hier im Erdgeschoss ist daher der Raum für die Kinder und oben im sechsten Stock die Teestube, in der keine Kinder erlaubt sind. Der SC Condor möchte sein Angebot für die Flüchtlinge hier sogar noch ausweiten. Seit 2010 ist der Verein bereits Stützpunkt des Hamburger Sportbundes für das Programm „Integration durch Sport“. Letztes Jahr ist die Flüchtlingsarbeit dazugekommen, berichtet Vorstandsmitglied Kerstin Philipp. Ihr Kollege Jörg von Kann weiß vom großen Anklang im Tischtennisbereich: „Weil es im Sommer in unserer Halle schon so erfolgreich war, bieten wir demnächst betreutes Tischtennisspielen auch im Haus an. Dann können wir entscheiden, den ein oder anderen zu uns ins normale Jugendtraining mitzunehmen.“ Diese Mischung zwischen den jungen Vereinsmitgliedern und den jungen Flüchtlingen sei ja das Ziel: „Wir heißen sie willkommen – mit Sport.“
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