Tonndorfs Mikro-Bücherei

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Steffi Karsten an der Stelle, wo im Frühjahr die Tonndorfer Bücherzelle stehen soll Foto: Jenssen
 
Ein altes Telefonhäuschen (hier von einem anderen Projekt) wird zum öffentlichenBücherschrank umgestaltet. Bundesweit gibt es Vorbilder Foto: wb

Alte Telefonzelle lädt ab März zur Lektüre. Initiatorin Steffi sucht Unterstützer

Von Martin Jenssen
Tonndorf
Als „Sprechverbindung“ haben Telefonzellen ihre große Bedeutung verloren. Dennoch dienen einige von ihnen weiterhin der Kommunikation zwischen den Menschen: als Bücherzellen. Jetzt bekommt auch Tonndorf eine dieser Mikro-Bibliotheken. Initiatorin für dieses Projekt ist die Tonndorferin Steffi Karsten, die ehrenamtlich auch die Internetplattform „Ich mag Tonndorf“ betreibt.
Aufgestellt werden soll die kleine Bibliothek Ende März an der Tonndorfer Hauptstraße, nahe der Bushaltestelle „Studio Hamburg“, gegenüber vom „Tondo“.
Mitgebracht hat die gelernte Buchhändlerin Steffi Karsten die Idee aus der französischen Hafenstadt Le Havre. Dort hatte sie so eine Bücherzelle am Strand entdeckt. Doch auch in Deutschland haben sich die „Bücherzellen“ etabliert. Rund
300 gibt es in der Bundesrepublik, drei davon in Hamburg. Einer dieser „Bücherschränke“ zum kostenlosen Austausch von Büchern wird von der St. Markus Gemeinde Hoheluft betrieben. Pastor Michael Dülge
über seine Erfahrungen: „Der Schrank ist ein Renner. Er belebt
den Stadtteil. Die Menschen kommen bei der Büchersuche ins Gespräch.“
Die Idee dahinter: Leseratten und Bücherliebhaber können in diesen „Zellen“ nach dem Lesestoff stöbern, der sie interessiert. Dafür werden ausgelesene oder geerbte Bücher, die man nicht mehr braucht, in der Zelle abgegeben.
Eine Bücherzelle aufzustellen, ist für eine Privatperson ein schwieriges Unterfangen. Doch Steffi Karsten ließ sich bei ihrem Vorhaben nicht aus der Ruhe bringen. Schließlich fand sie nette Mitstreiter. Erstmal musste sie erfahren, wie man an ein Telefonhäuschen kommt. Die ausgedienten Zellen werden von der Telekom in Berlin gehortet. Wer eine Zelle haben will, der muss dafür teuer bezahlen. Eine Zelle in den Farben Grau und Pink kostet 350 Euro. Steffi Karsten entschied sich dafür, denn eine gelbe Zelle ist mit 450 Euro noch teurer.

Welche Bauarbeiter helfen beim Verankern?


Außerdem galt es eine Genehmigung zum Aufstellen der Zelle zu bekommen Steffi Karsten: „Dabei hat mir im Bezirksamt vor allem Michael Wilhelm vom Dezernat für Wirtschaft, Bauen und Umwelt geholfen. Für das Projekt eingesetzt haben sich auch das Polizeikommissariat 38 und die Straßenverkehrsbehörde.“
Beim Abholen der Telefonzelle in Berlin hilft ihr die Firma „comlift“. Die Tischlerei Biehl wird die Telefonzelle kostenlos mit Bücherregalen ausstatten. Weitere Helfer werden noch gebraucht; Bücherfreunde, die sich tagsüber um die Bücherzelle kümmern. Dort muss Ordnung geschaffen und die Bücher müssen sortiert werden.
Zum Aufstellen der Bücherzelle wäre Steffi Karsten dankbar, wenn sich Bauarbeiter fänden, die dabei helfen, die Zelle zu verankern, damit sie beim nächsten Sturm nicht umfliegt. Gesucht werden auch noch Spender, die sich an dem Projekt beteiligen wollen. Wer helfen will, kann sich unter der email „ichmagtonndorf@gmx.de“ an die Initiatorin wenden.

Die Bücherzelle soll ab März als ein kleines Mahnmal in der „Kulturwüste Tonndorf“ leuchten. Steffi Karsten: „Der Stadtteil mit 13.500 Einwohnern hat keine Bücherhalle, kein Kino, keine Buchhandlung und keinen öffentlichen Raum für kulturelle Veranstaltungen.“
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