Trauer um „Bananen-Fred“

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Handel mit Leidenschaft: Vom Lastwagen herunter verkaufte Fred Radack seine Ware. Foto: privat

Die Jenfelder Familie Radack hat ihren Senior verloren, Hamburg ein Original

Von Silvia Stammer
Jenfeld. In diesem Jahr hätte sein legendäres Geschäft 60. Jubiläum gefeiert, doch einer der wohl berühmtesten Marktschreier Hamburgs darf dies nicht mehr erleben: Fred Radack, genannt „Bananen-Fred“, ist tot. „Nach langer, schwerer Krankheit ist mein Vater gestorben“, so Dirk Radack, 42, aus Jenfeld zum WochenBlatt. Und fügt mit Wärme in der Stimme hinzu: „Er war ein wirklich guter Mensch, der immer viel auf die Beine gestellt hat.“ Großzügig sei er gewesen, bodenständig und ja, natürlich auch geschäftstüchtig.
Fred Radack war gebürtiger Berliner. Als Bergmann arbeitete er zunächst in
Wanne-Eickel im „Pott“. 1953, als Buttje mit Anfang Zwanzig, kam er nach Hamburg. Als er die Bananenfrachter im Hafen sah, hatte er die Idee, die Südfrüchte „direkt“ an den Mann zu bringen.

Sein Erfolgsrezept

Er kaufte Stauden, ließ die grünen Bananen in einem ehemaligen Luftschutzbunker in Rothenburgsort nachreifen und verkaufte die Büschel zum guten Preis lautstark anpreisend auf dem Fischmarkt. Ein Erfolgsrezept, das „Bananen-Fred“ seinen Spitznamen einbrachte. Sein Credo: „Wer weiß schon, dass eine richtig gereifte Banane nicht nur gelb und frei von Pickeln ist, sondern auch grüne Enden haben muss? Sonst schmeckt die Banane wie aus dem Supermarkt: ganz fade nach Steckrüben.“ Sein Sohn Dirk sagt: „Noch bis er Mitte Siebzig war, ist mein Vater regelmäßig mit auf den Märkten unterwegs gewesen.“ Dirk trauert mit Mutter Hella, 67, um das Familienoberhaupt.

Das Vermächtnis

Aus dem Einzel-Verkauf des Vaters „vom Lastwagen herunter“ ist längst ein Unternehmen geworden, mit einem guten Dutzend Angestellter und bis zu 30 freien Mitarbeitern. Auf vielen großen Festen und im Sommer in Stuttgart, als „Gegenbesuch“ zum Weindorf, ist man unterwegs. Die Firma, die von Dirk Radack geführt wird, dreht sich dabei nicht nur um Bananen, sondern vor allem um Käse, doch der Firmenname „Bananen-Fred“ ist geblieben.
„Wir werden nie den Bezug zu unseren Wurzeln verlieren“, so Dirk Radack. Regelmäßig ist „Bananen-Fred“ auch in zweiter Generation noch sonntags auf dem Hamburger Fischmarkt und freitags auf dem Jenfelder Wochenmarkt präsent. Dirk Radack steuert heute vor allem aus dem Hintergrund das Familienunternehmen.
In seinen strahlend blauen Augen und der Begeisterung für außergewöhnliche Ideen lebt „Bananen-Fred“ Senior auch ein Stück weiter.
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