Trinkerszene am U-Bahnhof Farmsen

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Diese von der Wohnungsbaugenossenschaft aufgestellten Metallbänke sollen jetzt entfernt werden Foto: tel
Hamburg: August-Krogmann-Straße |

Wohnungsbaugenossenschaft baut Sitzbänke ab. Polizei sind die Hände gebunden

Michael Hertel
Farmsen
Sie trinken von früh bis spät, bepöbeln Restaurantgäste, machen ihr Geschäft unweit des Lokals: Die Trinkerszene am U-Bahnhof Farmsen war Thema bei der jüngsten Stadtteilkonferenz. Der Polizei sind die Hände gebunden. Der Wohnungsbaugenossenschaft nicht: Sie baut jetzt die Bänke ab. „Es reicht. Ich habe die Nase voll. Die Bänke kommen weg“, reagierte Uwe Jentz, Vorstand der Mieter- und Wohnungsbaugenossenschaft Farmsen („mgf“) bei der jüngsten Stadtteilkonferenz auf das Thema Trinkerszene am U-Bahnhof Farmsen. Die spielt sich seit geraumer Zeit auf öffentlich zugänglichem mgf-Gelände ab, sozusagen direkt vor Jentzs Nase.

Zugespitzte Lage

Ein Rechteck aus zwei stabilen Metallbänken und einem Ahorn mit schirmartiger Blätterkrone, versteckt hinter einer Werbetafel und einem Verteilerkasten, bildet ein lauschiges Eckchen direkt an der Kreuzung August-Krogmann-Straße/Am Luisenhof. Dort lagern sie und trinken fast täglich, oft vom späten Vormittag an bis weit nach Mitternacht. „Die Sache hat sich zugespitzt, seitdem der benachbarte Supermarkt seine Öffnungszeiten bis 23 Uhr ausgeweitet hat. Da gibt es immer frischen Stoff“, berichtet der mgf-Vorstand. Albert Bisaku (40), Geschäftsführer des benachbarten Restaurants „Luisenhof & Dubrovnik“ weiß ein Lied davon zu singen.

Unzumutbar für Lokalgäste

„Sie bepöbeln unsere Gäste, schmeißen leere Flaschen auf unsere Terrasse und machen ihr Geschäft in Sicht- und Geruchsweite des Restaurants.“ Familie Bisaku führt das in Farmsen bekannte und beliebte Gasthaus seit 16 Jahren, empfindet die derzeitige Situation als unzumutbar. Jeder Gast seines Restaurants muss an den Trinkern vorbei. „Hier muss langfristig etwas passieren. Das Entfernen der Bänke kann nur der erste Schritt sein“, sagt der Wirt.

Alkohol in der Öffentlichkeit erlaubt

Gert Markmann, BüNaBe vom PK 38, kennt die Situation: „Normalerweise sind diese Leute nicht aggressiv. Erst, wenn sie zu viel getrunken haben. Dann grölen sie auch schon mal oder werfen mit kleinen Schnapsfläschchen nach Passanten“, erklärte er der Stadtteilkonferenz. Der Polizei sind die Hände gebunden: Auf Bänken sitzen und Alkohol trinken ist in Deutschland nicht verboten. Da hilft es auch nichts, dass die mgf Schilder an den Bänken angebracht hat: „Der Verzehr von Alkohol ist untersagt“. „Eine rechtliche Wirkung hat das nicht“, weiß Uwe Jentz. Auch auf den Supermarkt hofft der mgf-Vorstand nicht: „Ich glaube nicht, dass die für uns ihre Öffnungszeiten ändern.“ Also kommen jetzt die Bänke weg, wie schon gegenüber am Mahlhaus. Man darf gespannt sein, wie sich die Szene weiter entwickelt.
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2 Kommentare
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Elke Noack aus Rahlstedt | 22.09.2017 | 17:55  
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Rainer Stelling aus St. Georg | 24.09.2017 | 21:36  
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