Trotz Arbeit wohnungslos

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Andreas Stasiewicz hilft Zuwanderern. Foto: mt

Ausbeutung von Zuwanderern in Hamburg steigt

Hamburg. Die Meldung kam bereits im Januar. Osteuropäische Arbeiter nutzen Obdachlosenheime als kostenlosen Schlafplatz. Machen osteuropäische Arbeiter Hamburger Obdachlosen die Unterkünfte streitig? Zuletzt griff das Hamburger Hauptzollamt nach mehreren Kontrollen in der Wohnunterkunft für Hamburger Obdachlose in der Spaldingstraße eine Gruppe von Bulgaren auf, die, nach eigenen Angaben, auf dem Weg zur Arbeit waren. Doch übernachten Menschen wirklich freiwillig in Notunterkünften, um Geld zu sparen? „Wohl kaum“, sagt Andreas Stasiewicz, Sozialarbeiter in der Beratungsstelle für osteuropäische Obdachlose, „viele Arbeitsverhältnisse erinnern an moderne Sklaverei. Die Not der Menschen ist trotz Arbeit nicht geringer.“ Meist kommen sie aus Rumänien, Bulgarien oder Polen. Angelockt mit falschen Versprechungen oder durch falsche Vorstellungen, ist die Realität in Hamburg oft ernüchternd. Stasiewicz kämpft in der Hilfseinrichtung mit drei Kollegen gegen einen nicht enden wollenden Strom von Heimatlosen.
Ein Muster kehrt immer wieder. In den Heimatländern liest man oft Stellenanzeigen wie: Arbeiter in Hamburg gesucht! Wegen der schlechten Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt entscheiden sich viele Menschen für die Reise nach Westen. In Deutschland angekommen, geraten sie oft in einen Strudel aus Abhängigkeit und Elend. Ohne Sprachkenntnisse und anerkannte Ausbildung in Deutschland ist es auf dem deutschen Arbeitsmarkt besonders schwer. Auch die Branchen in denen sie oft zu unvorstellbaren Bedingungen arbeiten sind die gleichen: Bau- und Fleischindustrie oder Dienstleistungen wie Reinigung und Gastro.
Stasiewicz berichtet von den besonders schlimmen Fällen. Wenn Betroffenen bei ihm Hilfe suchen, ist die Not oft schon zur Bedrohung geworden. Menschen müssen wochenlang auf Probe arbeiten und bekommen dann die Kündigung. Andere arbeiten für 400 Euro Vollzeit.
Einige Arbeitgeber nutzen die Zwangslage der Betroffenen schamlos aus. Nachschub gibt es genug, der Zustrom aus Osteuropa hält weiter an. Rüdiger Winter, Abteilungsleiter von Arbeit und Leben Hamburg, berät Migranten die trotz Arbeit in Not sind. „Ein großes Problem ist, dass Zuwanderer ihre Rechte nicht kennen“, erklärt Winter. Laut Stasiewicz muss viel mehr in den Heimatländern getan werden, um die Zuwanderung zu reduzieren und die Hilfe nach einer Rückführung zu verbessern. (mt)
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3 Kommentare
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Elke Noack aus Rahlstedt | 20.03.2013 | 17:38  
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Elke Noack aus Rahlstedt | 20.03.2013 | 17:59  
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Elke Noack aus Rahlstedt | 20.03.2013 | 18:06  
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