U-Bahn 5: Streit um Station in Steilshoop

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Dennis Paustian-Döscher (Grüne) Foto: tel
Hamburg: Gründgensstraße |

Bezirkspolitiker widersprechen der KoKo beim Steilshooper Marktplatz

Von Michael Hertel
Steilshoop
Unerwartet heftig wird ein Streit um den Standort des Bahnhofs Steilshoop für die geplante U-Bahnlinie 5 (Bramfeld - Osdorfer Born) geführt. Eine Gruppe um den Vorsitzenden der Koordinierungskonferenz (KoKo), Dr. Martin Kersting, Mitglied der Linken), wirft Senat und Bezirksamt Steuerverschwendung vor, weil durch den Bau der Station der neu entstehende Marktplatz am Schreyerring (Kosten: rund 3,5 Millionen Euro) wieder aufgerissen werden müsste (das Wochenblatt berichtete). Das Wochenblatt fragte Wandsbeker Parteienvertreter: Philipp Hentschel (CDU) hält die Vorwürfe der KoKo-Gruppe für „unverfroren und grotesk“ angesichts des zeitlichen Ablaufs der Planungen: „Im Gegensatz zu Dr. Kersting haben wir den Anspruch zu gestalten und nicht nur zu verhindern.“ Hentschel spricht sich eindeutig für eine Haltestelle in der Gründgensstraße (heute: Einkaufzentrum Steilshoop) aus: „Die kürzeren Wege beim Umsteigen haben mehr Gewicht. In der Gründgensstraße halten die Busse der Linien 7, 26, 118 und 617 – das Umsteigen wird dort viele Menschen betreffen.“

Chance für Einkaufszentrum

Dennis Paustian-Döscher (Grüne): „Der Vorwurf der Steuerverschwendung ist unzutreffend. Hier geht es um die einmalige Chance, den Kern Steilshoops aufzuwerten. Der Bau der Marktfläche wurde nach fast zehnjähriger Planungszeit Ende 2015 beschlossen. Ohne ein angenehmes Umfeld und eine gute Verkehrsanbindung wird das Einkaufszentrum gar keine Chance mehr haben. Das werden wir Grüne nicht zulassen.“ Julian Georg (Linke) sieht es anders: „Das Thema wird nur diskutiert, weil die Koordinierungskonferenz einen Brief an den Rechnungshof geschrieben hat und die Linke durch Nachfragen aufgedeckt hat, dass hier viel Geld in den Umbau des Marktplatzes gesteckt wird.“ Zur Standortfrage meint Georg: „Vor dem Hintergrund der Stadteilentwicklung wäre eine Entscheidung für den Schreyerring sinnvoller.“ Bei der SPD werden Vor- und Nachteile der Standorte noch diskutiert, teilt Steilshoops SPD-Chef Carsten Heeder mit. Zum Marktplatz sagt er: „Der Bau der Markt- und Eventfläche soll im zweiten Quartal dieses Jahres begonnen und im dritten Quartal 2018 beendet werden. „Eine erneute Verschiebung des Projektes würde bedeuten, dass die Fläche noch mindestens vier Jahre sanierungsbedürftig bleibt.“

Kommentar: Droht jetzt gar ein Schildbürgerstreich?

Bramfeld Steuerverschwendung in Millionenhöhe tönt es marktschreierisch aus Steilshoop. Dort ist ein erbitterter Streit um den Standort der Haltestelle für die geplante U-Bahnlinie 5 ausgebrochen. Gründgensstraße oder Schreyerring lauten die Alternativen. Das Problem: Am Schreyerring beginnen demnächst die Arbeiten für den seit langem geplanten (und von vielen Steilshoopern geforderten) Marktplatz. Kosten: rund 3,5 Millionen Euro. Die sogenannte Koordinierungskonferenz, ein Kreis interessierter Bürger und Institutionen unter Vorsitz von Dr. Martin Kersting (Mitglied der Linken), befürchtet nun, dass der neue Marktplatz, kaum eröffnet, schon wieder aufgerissen werden muss, falls die Hochbahn dort die U-Bahnhaltestelle errichten will. Das gleiche Gremium hatte gegen vermeintlichen Baumfrevel gewettert und damit für eine beträchtliche Verzögerung der Marktplatz-Realisierung gesorgt. Die Kritiker mögen beruhigt sein: Nicht nur die Hochbahn sondern auch eine überwältigende Mehrheit von Anwohnern hat sich auf der ersten Veranstaltung zur Bürgerbeteiligung für die Gründgensstraße ausgesprochen. Es wäre ja auch ein Schildbürgerstreich sondergleichen, wenn man die U-Bahn nicht dorthin leiten würde, wo schon heute für sämtliche Buslinien das natürliche Zentrum und der optimale Umsteigeknoten des Stadtteils liegt. Schließlich geht es nicht um rechthaberisches Lokalkolorit, sondern um modernen und bequemen öffentlichen Nahverkehr. Übrigens: Raten Sie doch mal, für welchen Standort sich die Wandsbeker Linke ausspricht ... (von Michael Hertel)

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Weitere Infos: Bürgerinitiative „Lebenswerter Hartzloh“
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