Um Freiheit hoch gepokert

Anzeige
Symbolbild

Banker wegen Unterschlagung zu 18 Monaten verurteilt

Wandsbek/Uhlenhorst/Rahlstedt Glücksspiel sollten Banker tunlichst unterlassen. Doch Florian N. (31) pokerte vor Gericht um seine Freiheit. Und er verlor. Der ehemalige Bankangestellte in einer Haspa-Filiale in der Meiendorfer Straße in Rahlstedt und spätere stellvertretende Leiter einer Filiale im Hofweg in Uhlenhorst muss für 18 Monate ins Gefängnis. Das entschied das Amtsgericht in Wandsbek. Für die Richterin stand nach der Beweisaufnahme fest: Der Angeklagte ist schuldig. Er hat veruntreuende Unterschlagungen begangen. Der Schaden: 77.500 Euro.
Geschädigt wurde ein älteres Ehepaar aus Rahlstedt. Bei fünf größeren Bankgeschäften, die der Angeklagte für das Ehepaar erledigte, hatte er nach Auffassung des Gerichts 50.000 Euro in die eigenen Tasche abgeleitet.
Außerdem hatte er eine Geldtasche mit 27.500 Euro unterschlagen. Das Geld hatte der Gastwirt Reza Z. (35) direkt vor der Filiale am Hofweg verloren. Die Geschäftsfrau Gabriele W. (66), ehemalige Vorsitzende der Budnianer Hilfe e.V., fand die prall gefüllte Börse und gab sie bei dem Banker ab.
Gemein fand das Gericht den Betrug an dem älteren Ehepaar. Als finanzieller Berater hatte Florian N. das volle Vertrauen des Ehepaars erworben. Auf seinen Rat hin waren ihm die alten Leute als Kunden von Rahlstedt an den Hofweg gefolgt. Der Betrug flog bei einer Überprüfung des Kontos auf. Nach Auffassung des Gerichts hat aber vor allem die Zeugenaussage von Gabriele W. den Angeklagten überführt.
Der Angeklagte musste zugeben, dass bei ihm eine Geldbörse abgegeben wurde. Kurz danach habe sich bei ihm aber eine Frau Meyer gemeldet und behauptet, sie habe das Geld verloren. Er habe der Frau die Börse ausgehändigt, von ihr aber nur die Telefonnummer notiert. Es war eine Telefonnummer, unter der sich später niemand meldete.
Die Geschichte von „Frau Meyer“ fand das Gericht als nicht glaubwürdig. Auch die Vorgesetzten in der Bank glaubten ihrem Angestellten nicht. Sie hatten die Opfer schon vor dem Prozess in vollem Umfang entschädigt.
Trotzdem hatte der Anwalt von Florian N. in seinem Plädoyer einen Freispruch für seinen Mandanten gefordert. Er verwies darauf, dass es keine absoluten Beweise für die Veruntreuung gäbe. Außerdem seien keine Hinweise auf eine betrügerische Bereicherung bei seinem Mandanten gefunden worden. Der Angeklagte beteuerte in seinem Schlusswort seine Unschuld und erklärte, er hoffe, dass die Waage der Justiz keinen Fehler habe.
Doch zu seinen Gunsten schlug die Waage nicht aus. Die Richterin zum Angeklagten: „Es gab für das Ehepaar keinen Anlass, zu lügen. Und auch die Geschichte mit der verlorenen Geldbörse ist nicht anders zu erklären, als dass sie das Geld behalten haben.“
Hätte Florian N. ein Geständnis abgelegt und Reue gezeigt, wäre die Strafe vermutlich zur Bewährung ausgesprochen worden. Doch er pokerte, wollte einen Freispruch. Dafür gab es jetzt die Quittung. (je)
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige