Vergangen, aber nicht vergessen

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Heimatarchivleiter Horst Schwarz zeigt Uwe und Dagmar Schulze Fotos aus vergangenen Zeiten.
 
ens Seligmann mit den „Neuesten Nachrichten“ von einst. Im Hintergrund zu sehen: Die historischen Geldscheine. Fotos: Christa Möller

Was das Heimatarchiv in Rahlstedt bewahrt

Von Christa Möller
Rahlstedt. Die „Neuesten Nachrichten“ sind schon über einhundert Jahre alt – doch obwohl der Zahn der Zeit dieser Zeitung schon sehr zugesetzt hat, wird sie sorgfältig verwahrt im Archiv des Bürgervereins Rahlstedt, ebenso wie einige Ausgaben der Wandsbeker Zeitung, die einst als feste Beilage dem Hamburger Abendblatt zugeordnet war, und mehrere Exemplare von Rahlstedt Aktuell und der Rahlstedter Woche.
Aber auch verschiedenste Urkunden werden im Heimatarchiv am Nydamer Weg 18 b in Rahlstedt aufgehoben. „Wir haben 3.500 Fotos digital verarbeitet“, erläutert Jens Seligmann, stellvertretender Vorsitzender des Bürgervereins. Von 1890 sozusagen bis gestern sind viele Rahlstedter Gebäude auf diese Weise erhalten und - ordentlich einer Straße zuwiesen – schnell zu finden. Aber auch Motive wie Feuerwehrgruppen oder Landschaftsansichten zählen zu den Schätzen des Archivs. Zahlreiche Aktenordner sollen noch digitalisiert werden.
Leiter des Heimatarchivs ist der Bürgervereinsvorsitzende Horst Schwarz, der erklärt, dass der überwiegende Teil der Fotos und Urkunden dem Archiv von Bürgern zur Verfügung gestellt wird. So bekam das Archiv auch Unterlagen des verstorbenen Journalisten Hans-Günter Stark, der zahlreiche Vorkommnisse in Rahlstedt, aber auch in Wandsbek, dokumentiert hatte.
Dachbodenfunde kommen immer mal wieder dem Archiv zugute. Manchmal kauft der Verein auch Nachlässe auf, so etwa drei große Kisten aus der Hinterlassenschaft des Zeichners und Schriftstellers Otto Boris, der Kinderbücher sowie Tierbücher geschrieben hat und seinen Lebensabend in Rahlstedt verbrachte, wo er 1957 starb. Eine Ausstellung mit Werken des Künsters ist angedacht. Ein anderer großer Rahlstedter wurde in Zusammenarbeit mit dem Kulturverein und dem Kulturwerk Rahlstedt bereits in diesem Jahr entsprechend gewürdigt: Die Bilder von Heinrich Steinhagen, überwiegend aus Privatsammlungen, waren in der Parkresidenz zu sehen. Heinrich Steinhagen lebte bis zu seinem Tod 1948 am Wiesenredder in Rahlstedt.
Sogar ein Löwenkopf, einst Bestandteil des Denkmals vom „100-Tage-Kaiser“ Friedrich III. von Preußen, hat im Archiv eine neue Heimat gefunden. „Keiner weiß mehr, wo genau das Denkmal stand“, bedauert Horst Schwarz. Und auch Geld gibt’s hier zu sehen: Claus Hameister hat unter anderem historische Scheine zur Verfügung gestellt, bevor das Hotel Hameister abgerissen wurde.
Verlorene Schätze
Außer Horst Schwarz und Jens Seligmann beschäftigen sich drei weitere Vereinsmitglieder in ihrer Freizeit mit der Archivarbeit. „Dass dieses Archiv diesen Bestand hat, ist zum großen Teil der Verdienst unseres Ehrenmitglieds Annemarie Lutz“, betont Schwarz.
Selbstverständlich können Interessierte zu den Öffnungszeiten oder nach Absprache Einblick ins Archiv nehmen, was nicht nur von Schulklassen oder Studenten gern genutzt wird. Dagmar und Uwe Schulze sind „aus Neugier“ heute vorbeigekommen. Und im vergangenen Jahr war sogar ein japanischer Professor hier, der den Rahlstedter Verein im Internet aufgespürt hatte und sich mit Bürgervereinen in Deutschland beschäftigte. „Wir machen das ja nicht, um hier irgendetwas verstauben zu lassen sondern um die Erinnerung an Dinge oder Personen aufrecht zu erhalten“, sagt Horst Schwarz. Im Jahrbuch des Kulturvereins stammt etwa ein Drittel der Bilder aus dem Archiv des Bürgervereins. Und noch bis November sind einige Bilder beim Stadtteilmakler an der Rahlstedter Bahnhofstraße ausgestellt. Vom 27. September bis 5. Oktober werden „Rahlstedts verlorene Schätze“, beispielsweise wunderschöne Villen, traditionsreiche Restaurants oder bemerkenswerte Kunstwerke, festgehalten in etwa 70 Bildern und mit entsprechenden Erläuterungen, auf 20 Tafeln im Erdgeschoss der Rahl-stedt Arcaden zu sehen sein.

Das Heimatarchiv ist an jedem 2. Mittwoch im Monat (außer Dezember, Juli und August) von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Infos unter Tel.: 678 95 03 oder im Internet unter bv-rahlstedt.de
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