Vom Walross zur Biene

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Heinz Susott mit einemModell von Antje, zwei Jahrezehnte hat er das NDR-Maskottchen gepflegt Foto: Holley
 
Heinz und Elke Susott vor ihrem Bienenstock im Garten Foto: Holley

Der Ziehvater des NDR-Maskottchens Antje ist heute ein leidenschaftlicher Imker

Von Nina Holley
Hamburg-Berne
Es sind rote Backstein Siedlungshäuser, die so typisch für die Berner Allee sind. Die Auffahrt reicht für ein Auto, der Garten ist dafür umso größer: 1000 Quadratmeter sind der ganze Stolz von Heino Susott. Und hinter dem Haus blickt er in diesen Tagen auf ein Blütenmeer von Krokussen. „Es besteht aus ursprünglich 1998 Saatkörnern, die ich Mitte der 1980er Jahre von einer Seniorengruppe bekommen habe“, sagt der 80-jährige. Ja, die Botanik... Eigentlich wollte er Gärtner werden, aber wie es im Leben so ist, kamen die Dinge anders. Er sei früher „klein und mickerig“ gewesen. Doch stark genug, um 1950 in Hagenbecks Tierpark als Pfleger anzufangen. Dass er später einmal einen gewaltigen Koloss an seiner Seite haben würde, das wusste Heino
Susott da noch nicht. Auch nicht, dass er neben dem Walross Antje zum Star werden würde. Das 750 Kilo schwere NDR-Maskottchen mit den lange Stoßzähnen avancierte zum Liebling bei Kindern und Erwachsenen.

Pavian lebte im Garten

„Bevor ich die Tiere im Eismeer betreuen durfte, fing ich im Ponystall an. Es gab 70 Stuten und innerhalb von einer Woche musste man alle Tieren mit Namen kennen“, erinnert sich Susott. In Hagenbecks Tierpark lernt er auch seine Frau Elke kennen. Das war 1956. Sie arbeitete im Restaurant. Schnell war klar: „Wir beide gehören zusammen.“ Sie bekamen drei Töchter und haben heute fünf Enkel und zwei Urenkel. Auch Elke hat ein Herz für Tiere und hatte nichts dagegen, wenn ihr Mann wieder einmal ein von der Herde im Tierpark verstoßenes Tier mit nach Hause brachte. Ein Rentier, ein Stachelschwein, ein Papagei … Die Liste ist lang.
Ganz besonders ist dem Ehepaar das Paviankind Daisy in Erinnerung geblieben. Der Pavian durfte sich auf ihrem Grundstück frei bewegen. Viele kamen aus der Nachbarschaft, um das Paviankind zu bestaunen. Ob das verrückt war oder gar leichtsinnig? Für die Susotts gehörten die Tiere wie ein festes Familienmitglied dazu. „Tiere kann man erziehen“, betont Heino Susott. So habe Daisy stets ihre Grenzen gekannt. Was aus ihr geworden ist? „Sie wurde nach ein paar Monaten von ihrer Herde im Tierpark angenommen“, erinnert sich Heino Susott. Ein glückliches Ende. Nachdem er 1998 in Rente gegangen war, stand für Heino Susott fest: Nichts tun kommt nicht in Frage. Noch oft besuchte er seinen Schützling Antje, bis die Walrossdame 2003 an Altersschwäche starb. 22 Jahre lang hat er sich um sie gekümmert, ihr an Silvester Musik vorgespielt, um sie vom Feuerwerk abzulenken. Oft wurde er von den Kindern aus der Siedlung gefragt, ob er die Nacht wieder bei Antje verbracht habe.

Vorträge für Schüler


Heute ist es ruhiger in Haus und Garten der Susotts geworden. Die Krokusse sprießen aus dem Boden, an einem kleinen Teich rasten zwei Enten. Lediglich im hinteren linken Teil geht es bald turbulent zu. Denn hier hat der ehemalige Tierpfleger acht Bienenvölker angesiedelt. Jetzt hat das Imkern einen großen Platz in seinem Leben eingenommen. Nicht nur im eigenen Garten, auch auf dem Gelände des Umweltzentrums Gut Karlshöhe in Bramfeld betreut er ein Imkerhaus. Schulklassen besuchen dort den Hobby-Umweltpädagogen und holen sich Rat. Noch immer gibt er gerne Auskunft über die Tier- und Pflanzenwelt. Hier hat er als Mitbegründer des Umweltzentrums eine zweite Heimat gefunden. „Er kann einfach nicht still sitzen“, sagt Elke Susott über ihren Mann. So wundert es auch nicht, dass er sich nebenher zusätzlich für eine Internatsschule bei den Adivasi-Ureinwohnern in Indien engagiert und verschiedene Vorträge etwa bei der Wohngenossenschaft Gartenstadt Hamburg eG über sein Leben hält – und vor allem über das Geheimnis des Lebens an sich erzählt.
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