Wacken Open Air begeistert 72-Jährigen

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Wolfgang Holz war das erste Mal beim Wacken Open Air Foto: Holger Riemenschneider, Kulturistenhoch2

Jugendliche nehmen Hamburger Senioren mit zum Heavy-Metal-Festival

Von Barbara Schulz
Bramfeld
Am Donnerstag war es endlich soweit: Wolfgang Holz aus Bramfeld, ein weiterer Rentner aus Rahlstedt und zwei Abiturienten trafen sich am Hauptbahnhof in Hamburg. Ihr Ziel: Das Heavy-Metal-Mekka in Norddeutschland: Wacken. Auf Einladung des Wacken Open Airs und der Itzehoer Versicherung Hamburg düsten sie für einen Tag nach Wacken zum berühmten Heavy Metal-Festival, das in diesem Jahr zum 27. Mal stattfand. „Das war der Wahnsinn!“ schwärmt Holz beim Treffen im Seniorenheim nach dem Wochenende, nippt am schwarzen Kaffee und nickt seiner Betreuerin Frau Baumotte, lächelnd zu. Dann zeigt er stolz auf sein Wacken-Bänzel am rechten Handgelenk. „Wir haben „Foreigner“ gesehen; ich dachte erst, ich kenne die gar nicht, aber als ich die ersten Töne hörte, kannte ich sie doch!“ schwärmt er mit leuchtenden Augen.

Gefallen hat ihm aber auch die Band Saxon: „Die haben auch voll reingehauen! Sind schließlich alte Männer in meinem Alter“, grinst Holz, 72 Jahre, drahtiger Typ. Mit der ihm zugeteilten Abiturientin Kyra hat er sich ebenfalls blendend verstanden; sie haben schon Fotos vom Ausflug ausgetauscht, die Holz aus einem Stoffbeutel zaubert. Da die neuen Sicherheitsvorkehrungen ein Taschen- und Rucksackverbot auf dem Festivalgelände mit sich brachten, konnte Holz, begeisterter Hobby-Maler und –Fotograf, nur seine kleine Digital-Kamera mit reinnehmen. Doch selbst das konnte seine Euphorie nicht schmälern: „Da waren mehr als 70.000 Leute; viele waren schwarz gekleidet und sahen gefährlich aus, aber alle waren friedlich. Das war ein richtig schönes Fest!“

Mit weniger friedlichen Gesellen kennt Holz sich aus: „Ich habe ein paar Jahre als Kaufhausdetektiv gearbeitet und seitdem einen Blick für Leute, die nicht gut sind.“ Ansonsten verdingte er sich als Kaufmann und Kurierfahrer und lebte einige Jahre im Auto – Schuld war der Alkohol. Eine Frau vom „Mitternachtsbus“, die sich um Obdachlose kümmerte, heftete sich an seine Fersen und half ihm, die Kurve zu kriegen. Mittlerweile geht es ihm wieder gut, er hat ein Einzelzimmer im Seniorenheim und fühlt sich wohl. Ob er früher schon einmal so auf die Ohren bekommen hat wie in Wacken? „Ja, ich habe mal die Rolling Stones in Bahrenfeld gesehen!“ Natürlich würde er nochmal nach Wacken fahren, wenn er die Chance bekäme. Er und seine Betreuerin Frau Baumotte sind schon gespannt auf weitere Kulturangebote des Projekts.
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