Was tun gegen Islamisten in Hamburg?

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Verfassungsschutzchef Torsten Voß (v.l.) , Ekkehard Wysocki (SPD), Vorsitzender des Innenausschusses und Mustafa Yoldas, Vorsitzender des Rates der Islamischen Gemeinschaften Schura Foto: Glitz

Podiumsdiskussion mit Verfassungsschutzchef Voß. Bildung als Gegenmittel

Von Rainer Glitz
Hamburg. „Der Salafismus ist eine schnell wachsende Strömung und spricht vor allem männliche Jugendliche an. Er ist eine Gefahr für ein friedliches Zusammenleben.“ Mit dieser eher nüchternen Bestandsaufnahme begrüßte der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Ekkehard Wysocki das Publikum in der Mensa des Gymnasiums Rahlstedt. Auf dem Podium: Mustafa Yoldas, Vorsitzender des Rates der Islamischen Gemeinschaften in Hamburg Schura und Torsten Voß, Chef des Verfassungsschutzes. „Wir beobachten nicht den Islam, sondern politische
Extremisten“, erläuterte Voß. Der Salafismus sei rückwärtsgewandt, lehne menschliche Gesetze und die Demokratie mit ihren Errungenschaften kategorisch ab.

Für Zulauf sorgt laut Verfassungsschutzchef Voß die Terrororganisation Islamischer Staat, die in Syrien und im Irak Gebiete annektiert. „So gibt es jeden Tag Erfolgsmeldungen, die dann über das Internet verbreitet werden“, so Voß.
Allein aus Hamburg haben sich nach seinen Angaben 50 Freiwillige ins Bürgerkriegsgebiet aufgemacht, 10 kamen bereits zurück, 7 Islamisten starben. Doch warum radikalisieren sich so viele junge Hamburger? „Viele sind nicht richtig in der Gesellschaft angekommen, suchen Werte und Orientierung, Anerkennung in der Gruppe“, erklärte der Verfassungsschutzchef. „Viele junge Moslems stillen ihren Wissensdurst im Internet“, ergänzte Mustafa Yoldas, Vertreter der gemäßigten islamischen Gemeinden in Hamburg. Dabei stießen sie auf die Salafisten.

Eine Rolle spielten auch Ausgrenzung und Diskriminierung, Flüchtlinge seien oft traumatisiert und hätten Gewalterfahrungen gemacht. Viele Moslems sähen sich durch die USA bedroht, daraus entstehe ein Groll auf den Westen.
„Wir müssen positive Beispiele setzen. Lernen erhöht die Chancen auf dem Arbeitsmarkt, in Deutschland kann man Ingenieur, Richter oder Arzt werden, wenn man sich bemüht“, sagte Mustafa Yoldas. Er empfahl, deutsch sprechende Imame auszubilden und Kinder von klein auf zur religiösen Toleranz zu erziehen.

Der Staatsvertrag der Schura mit dem Senat sei ein wichtiges Signal an die Muslime, waren sich die drei Experten auf dem Rahlstedter Podium einig. Auch das geplante Präventionsnetzwerk mit Schul- und Sozialbehörde könne helfen. Warum sich so viele Jugendliche in immer kürzerer Zeit radikalisieren und sich sogar gegen die eigene, muslimische Familie wenden – darauf gab es keine überzeugende Antwort.
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1 Kommentar
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Frank Walther aus Wandsbek | 03.12.2014 | 14:58  
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