Waschtag bei Hamburgs U-Bahn

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Gewaschen wird nur in Farmsen: Die Wäsche eines DT4-Zuges dauert rund 35 Minuten Foto: tel

Besuch in der Betriebswerkstatt Farmsen. Nach 21 Tagen ist jeder Waggon fällig

Von Michael Hertel
Hamburg-Farmsen
Jeder Hamburger U-Bahnwaggon im Betrieb – und das sind derzeit etwa 860 – muss nach spätestens 21 Tagen in Farmsen vorbeischauen und sich gründlich durchchecken lassen. Das macht den Ort zu Hamburgs größtem Waschsalon und Werkstatt zugleich. Gruand genug für das Wochenblatt, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Die konzentrierte Arbeit findet meist in und unter den Waggons in der Halle mit drei Gleisen über Arbeitsgruben, in einer Extra-Halle für die Beseitigung von Graffiti oder in der Waschstraße statt. Insgesamt 41 Beschäftigte machen die Bahnen hier wieder flott. „Dabei werden Verschleißteile ausgetauscht, Betriebsmittel wie Sand, Wasser und Schmierstoff nachgefüllt, alle Sicherheitsfunktionen geprüft, also Bremsen, Fahrsperre, Türen und Notbremse. Außerdem schauen wir uns den Innenraum an, beispielsweise die Beleuchtung und die Sitze“, erklärt Jürgen Reinhold (63), seit 43 Jahren bei der Hochbahn und schon 26 Jahre lang Werkstattleiter. Sechs bis acht Handwerker sowie ein bis zwei Betriebstechniker stürzen sich auf die bis zu 120 Meter langen Züge bei dieser „kleinen Durchsicht“ und schaffen ihr Pensum normalerweise in einer Stunde. Gleichzeitig erfolgt eine gründliche Reinigung durch die in der Werkstatt stationierte TEREG-Mannschaft. Anschließend folgt die große Außenwäsche (35 Minuten) eine Halle weiter. Der Zug wird nur von Werkstatt-Mitarbeitern bewegt. Und die „große Wäsche“ geht fast vollautomatisch: Der Handwerker im Fahrstand regelt alles per Fernbedienung. Neben im Schnitt sieben Zügen in der Wartung gibt es täglich so zwischen 15 und 30 „Aussetzer“ zu bearbeiten. Das sind Züge, die wegen eines Schadens unmittelbar aus dem Fahrbetrieb genommen werden. Die Schäden reichen von „beschmiert“ bis „kann nicht mehr weiterfahren“. Dass ein Zug einfach auf der Strecke stehen bleibt, kommt laut Reinhold ganz selten vor. Dagegen habe die Zahl der Schmierereien kaum nachgelassen. Immerhin konnte der Vandalismus in den Zügen durch verstärkte Videoüberwachung eingedämmt werden. Aber statt gemütlicher Polster gibt es für die Fahrgäste in den neuen Zügen nur noch Hartschalen mit Velourbezug. Reinhold: „Früher mussten wir bis zu 100 Sitzpolster pro Tag reparieren, heute vielleicht zwei bis drei Bezüge.“ Für malade U-Bahnen hält die Hochbahn in Farmsen „kundenfreundliche Öffnungszeiten“ bereit: sechs Tage die Woche von 6.30 bis 23.30 Uhr. So lange betüdeln die Arbeiter ihre Bahnen. Nur sonnabends, da ist schon um 12.30 Uhr Schluss.
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