Wenn Kinder Bankiers sind

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Die frisch gedruckten Scheine sind da und können in Eilbek von Kindern ausgegeben werden. Foto: kg

Schule Richardstraße bekommt neues Geld

Von Karen Grell
Eilbek. Die Grundschule Richardstraße nimmt an einem bisher in Deutschland einzigartigen Projekt teil. Sie hat ihr eigenes Geld entworfen, gedruckt und in den Umlauf gebracht.
In Eilbek können Kinder deshalb jetzt nicht nur mit Euros bezahlen, sondern auch mit Abenteuer Geld. Die von den Kids designten Scheine, auf denen eigene Kunstwerke zu sehen sind, die anschließend abfotografiert wurden, sind so schön und eigenwillig, das kein anderer Geldschein der Welt da mithalten könnte.
Was vor ein paar Monaten als eine Art Spiel begann, geht jetzt mit einer Neuauflage der druckfrischen Scheine bereits in die zweite Runde. Die ersten Erfahrungen und Shoppingtouren durch den Stadtteil wurden gemacht und neben der anfänglichen Euphorie haben sich auch schon die Schattenseiten des neuen Reichtums gezeigt. Plötzlich wurden Scheine gestohlen, Geld verschenkt, um neue Freundschaften zu knüpfen, und sogar Dienstleistungen wie „Ranzen-Tragen“ erfunden, um an die begehrten Scheine zu gelangen. „Ich hab einfach alles Geld weggeworfen“, erzählt ein Teilhaber des Projektes, der dem vorprogrammierten Ärger aus dem Weg gehen wollte. Ob Kinder überhaupt schon so intensiv mit Währung Erfahrungen machen sollten, das haben sich die Mitarbeiter des Fundus-Theaters, die diese Idee entwickelt haben, schon manches Mal gefragt.

„Ich verstehe jetzt viel besser, warum man nicht alles Geld gleich ausgeben sollte.“
Doch eine bessere Möglichkeit die Zusammenhänge von Geldgeschäften zu verstehen, als mit eigenen Geschichten, gibt es eigentlich gar nicht. „Ich verstehe jetzt viel besser, warum man nicht alles Geld gleich ausgeben sollte“, so eine Besitzerin von bereits 5 Scheinen Abenteuergeldes mit einer großen 100 am Rand. Bei dem neuen Geld, da gibt es nur Hunderterschein, so hatten es sich die Kinder gewünscht. Was man mit dieser Einheit dann kaufen kann, das ist je Geschäft ganz unterschiedlich.
Beim asiatischen Gemüseladen gibt es auch mal eine unbekannte Frucht samt interessanter Erläuterungen dazu und beim Fahrradgeschäft Hilfe beim Aufpumpen des Rades.
Wer in die Galerie „Einstellungsraum“ geht, der erhält tolle Erklärungen zum Thema Kunst. Gekauft werden können somit nicht nur ein materieller Gegenwert oder das, was soundso verschenkt werden würde, sondern neues Wissen und echte Dienstleistungen.
Die Kinder von der Richardstraße sind immer noch von ihrem Projekt „total begeistert“ und mit einer Überführung des Tresors zur Schule, bei der sogar Straßen gesperrt werden mussten, einer großen Versammlung und der Ausgabe von frisch gedruckten Scheinen, zeigte sich wieder, dass eine Bank auch schon was für junge Leute ist.
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