Wie riskant ist Baden in Alster und Elbe?

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Kinga (v.l.), Angelika und Gabi im Stadtpark an der Alster: Sie sparen den Bad-Eintritt Fotos: ks
 

Moorfleet, Stadtpark oder Övelgönne: Hamburgs Flüsse locken. Wo geprüft wird, was erlaubt ist

Von Klaus Schlichtmann
Hamburg. Sommer in der Stadt, das heißt endlich ein Eis im Straßencafe genießen, auf der Wiese entspannt mit Freunden in der Sonne liegen, mit dem Kanu gemächlich auf den Alsterkanälen paddeln. Und baden natürlich! Nicht nur in den Freibädern herrscht jetzt Hochbetrieb, sondern auch an vielen Fleckchen abseits der offiziellen Badestellen, an der Elbe, an der Alster und ihren Kanälen. Aber ist das Baden dort nicht gefährlich, auch für die Gesundheit, oder gar verboten? Das WochenBlatt fragte nach.
Der Elbstrand bietet bei schönem Wetter Urlaubs-Feeling in Hamburg, am Moorfleeter Deich oder in Övelgönne. Hier mitten in der Stadt schwappt das Wasser plätschernd an den Strand, Kinder toben in den Wellen vorbeifahrender Schiffe, ein paar Erwachsene trauen sich weiter hinaus, schwimmen sogar einige Meter in den Strom. Eine trügerische Idylle, denn das Wasser der Elbe ist bräunlich verfärbt. Die Sichtweite unter Wasser liegt unter dem EU-Grenzwert von einem Meter. Wer tiefer hineingeht, sieht den Grund nicht mehr und auch nicht mögliche Hindernisse wie Steine oder Unrat.
„Wir raten vom Baden in der Elbe ab!“, erklärt Dr. Magnus-Sebastian Kutz von der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt. „Die bakterielle Belastung liegt zur Zeit zwar weit unterhalb der bedenklichen Werte, aber das Baden dort ist durch das trübe Wasser und die Strömung grundsätzlich ein Risiko.“ Die vorbeifahrenden großen Schiffe sind ein weiteres. „Durch sie entsteht oft ein starker Sog, der manchmal unterschätzt wird“, sagt Polizeisprecherin Ulrike Sweden. „Eltern sollten dann zumindest ihre badenden Kinder besonders im Auge behalten.“ Erhöhte Gesundheitsgefahr besteht auch nach starken Regenfällen. Dr. Kutz: „Wenn Gullys überlaufen und das Schmutzwasser in die Elbe fließt, steigt tendenziell auch die bakterielle Belastung wieder an. Wir kontrollieren die Wasserqualität zwar regelmäßig an den vier Meßpunkten Övelgönne, Wittenbergen, Finkenriek und Moorwerder, aber nicht ständig.“
Gemessen wird auch an der Alster - und das Alsterwasser ist gesundheitlich unbedenklich. Nur: Es ist überwiegend verboten, in der Alster zu baden. Dieses Verbot gilt überall dort, wo Schiffe fahren, also auf der Binnen- und der Außenalster bis zur Schleuse Fuhlsbüttel. Eigentlich auch in vielen Kanälen und dem Stadtparksee - dort aber wird Baden geduldet. Darauf sollte man in diesen Bereichen aber auf jeden Fall verzichten, wenn sich Blaualgen - erkennbar an blaugrünen Schlieren - im Wasser bilden. Sie können zu Hautreizungen, Übelkeit und Erbrechen führen. Wir treffen Gabi (22) und Angelika (25) sowie ihre polnische Besucherin Kinga (17) am Stadtparksee. Sie sind oft zum Schwimmen hier, obwohl das Naturbad Stadtparksee - nur durch eine Spundwand getrennt - gleich nebenan liegt, das Wasser dort gefiltert und mit der Note „Ausgezeichnet“ bewertet ist. Bedenken haben die jungen Frauen nicht: „Bisher ist noch niemand von uns krank geworden“, sagt Gabi. Außerdem spare man die drei Euro Eintritt, die das angrenzende Bad kostet. Ein alter Plan ist leider vom Tisch: Ex-Bürgermeister Ole von Beust hatte vor sechs Jahren nach Berliner Vorbild angeregt, am Schwanenwik ein Alster-Schwimmbad zu eröffnen - aus vier fest verankerten und mit frischem Wasser gefüllten Schuten. Die „Badeschiffe“an einem historischen Standort - am Schwanenwik stand einst Deutschlands größtes Freibad - bleiben leider Illusion: zu teuer. Und zu viel Widerstand von den benachbarten Segelvereinen...
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