Zeitzeugen im Unterricht

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Peter Petersen (90, li.) und Richard Hensel (80) erzählen von ihrer Kindheit und Jugend während der NS-Zeit. Das auf die Wand projizierte Bild zeigt Peter Petersens Cousine mit ihrem Mann, einem jüdischen Rechtsanwalt. Das Ehepaar starb im KonzentrationslagerFotos: rdm

Geschichte zum Anfassen in der Max-Schmeling-Schule

Von Reinhard Meyer
Jenfeld. „Seid froh, dass Ihr in einer Zeit lebt, wo sich Deutschland und Europa so wunderbar darstellen“ und „Lernt, quetscht Eure Lehrer aus wie eine Zitrone“ – mit diesen nachdrücklichen Appellen an die 90 Neunt- und Zehntklässler schloss Zeitzeuge Peter Petersen, 90, die denkwürdige Geschichtsstunde „Zeitzeugen im Zeugenstand“ an der Max-Schmeling-Stadtteilschule am Denksteinweg.
Schüler und Lehrer hatten Peter Petersen und Richard Hensel, 80, eingeladen, um über ihr Leben während der Zeit des Nationalsozialismus zu erzählen.
Die geschilderten, unterschiedlichen Lebensläufe der beiden vermittelten den Schülern ein lebendiges, authentisches Bild vom Leben unter dem Nationalsozialismus. Peter Petersen, geboren auf St. Pauli, wuchs unter dem prägenden Einfluss seines Vaters im inneren Widerstand auf. Dieser hatte das furchtbare Ende des Nazireiches sehr früh vorausgesehen. Peter Petersen entzog sich allen Rekrutierungsversuchen von Naziorganisationen.
Dem Dienst in der Wehrmacht konnte er nicht ausweichen, schwor sich aber, niemals auf Menschen zu schießen. Mit Einfallsreichtum, Mut und ein bisschen Glück hat er sich bei allen Risiken eines Fronteinsatzes „Durchgemogelt“. So hat er auch sein Buch betitelt, in der er seine Erlebnisse niedergeschrieben hat.
Richard Hensel wuchs in Danzig auf. Seine Familie gehörte eher zu den Mitläufern, die spät erst den Schrecken des Nazireiches erkannten. Sie verließ Danzig 1946, kamen über Umwegen nach Hamburg. Er war begeisterter Hitlerjunge, war aber dankbar, dass er bei Kriegsende mit zwölf Jahren nicht Soldat werden musste. Die nachdenklichen Fragen der Schüler trafen immer wieder ins Schwarze. „Kannten Sie Hitler persönlich?“ Richard Hensel: „Nein, nicht persönlich. Aber ich habe ihn gesehen, als er im Auto durch Danzig fuhr.“ Und:„Gab es damals Ausländer in Deutschland?“ „Ja, aber sie waren Zwangsarbeiter aus Frankreich, Polen und Ukraine.“ Von Peter Petersen wollten sie wissen, ob er Menschen kannte, die im KZ waren. „Ja, meine Cousine heiratete 1940 einen Juden, im Wissen, dass sie irgendwann als Volljüdin mit in ein KZ kommen würde. Beide sind dort umgebracht worden“, sagte der 90-Jährige. Starker Beifall der Schüler am Ende für eine mehr als zweistündige Geschichtsstunde.
Vom Unterrichtsthema Nationalsozialismus haben die Lehrer Frank Habben, Claudia Michaels, Reyhan Jung zu Beginn das Problem Rechtsextremismus besprochen und mit den Schülern auch die KZ-Gedenkstätte in Neuengammme besucht.
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