Zur Not „in den Knast“

Anzeige
Ingrid und Harry Werner in der Drei-Zimmer-Wohnung im Dachgeschoss Foto: ks
 
Das Eigenheim der Werners in Rahlstedt Foto: ks

Rahlstedter Rentner wehren sich gegen Untervermietungsverbot im eigenen Haus

Von Klaus Schlichtmann
Rahlstedt
„Das ist ja wie früher in der DDR, das ist quasi eine Zwangsenteignung!“ Harry Werner (74) aus Rahlstedt redet sich richtig in Rage, wenn er auf seine Dreizimmer-Dachgeschosswohnung zu sprechen kommt. Es ist eine schöne Wohnung, 70 Quadratmeter groß, mit hochwertigen Möbeln eingerichtet, dazu eine Dachterrasse mit 18 Quadratmetern. Nur: Harry Werner und seine Frau Ingrid dürfen sie in Zukunft nicht mehr wie bisher nutzen. Denn mit dem Betreff „Zweckfremde Nutzung von Wohnraum“ erhielt das Ehepaar Post aus dem Bezirksamt Wandsbek, Fachamt für Verbraucherschutz, Gewerbe und Umwelt. Darin wird festgestellt, dass die Werners ihre Wohnung im Internet als Gäste- und Ferienwohnung anbieten und vermieten und das stelle somit ein Verstoß gegen das Hamburgische Wohnraum-Schutzgesetz dar. Für den Fall, dass das Rahlstedter Rentnerpaar seine Räume nicht umgehend wieder als normale Mietwohnung zur Verfügung stellt, werden harte Sanktionen angedroht: Zwangsverwaltung, Bußgeld bis zu 50.000 Euro. Harry Werner, früher Betriebsrat bei Karstadt, will sich mit allen Mitteln gegen diese Amts-Androhung wehren, „und wenn ich dafür in den Knast gehe!“ Die umstrittene Wohnung liegt im ehemaligen Elternhaus des Rentners. „Anfang der 1950er-Jahre hat mein Vater es eigenhändig gebaut, Stein auf Stein gesetzt, sogar die Baugrube selbst ausgehoben“, sagt Werner. Und vor elf Jahre habe er selbst es aufwendig saniert, fast alles auch wieder in Eigenleistung erbracht. „Und jetzt kommt der Staat daher und will mir vorschreiben, wie ich mein Eigentum zu nutzen habe ?“ Bis Ende 2014 war die Wohnung regulär mit einem üblichen Mietvertrag für 750 Euro warm vermietet. Ingrid Werner: „Es hatte aber immer wieder Ärger mit den letzten beiden Mietern gegeben, noch heute haben wir eine offene Forderung von knapp 8.000 Euro!“ Daher beschlossen die Eigentümer, ihre drei Zimmer, Küche, Bad als Ferien- und Monteurs-Wohnung zu inserieren, pro Person und Woche für 266 Euro, Nebenkosten wie Endreinigung, Bettwäsche, Strom und Wasser inklusive. Das Geschäftsmodell zur Aufbesserung der Rente wurde ein voller Erfolg. „Hier, schauen Sie“, sagt Ingrid Werner und zeigt auf einen Jahreskalender, „bis September sind wir ausgebucht!“ Studenten, die an der nahegelegenen Fernhochschule ihre Prüfungen ablegen; Monteure, die in der Umgebung arbeiten; eine Urlauberfamilie aus Italien, die gleich eine ganze Woche bleibt – sie alle kommen gerne in die Wohnung nach Rahlstedt. Doch damit soll es jetzt vorbei sein! Bis zum 5. Juli sollte das Ehepaar Werner schriftlich erklären, ob es bereit ist, die zweckfremde Nutzung zu beenden oder nicht. Harry und Ingrid Werner haben geantwortet: „Wir sind nicht bereit, die angebliche zweckfremde Nutzung von Wohnraum zu beenden!“ Vor ein paar Tagen ging ein weiteres Schreiben aus dem Bezirksamt bei den Werners ein – eine Duldung der Ferienwohnung bis Ende September. Wird die Wohnung dann nicht als normale Mietwohnung angeboten, wird ein Bußgeldverfahren eingeleitet und ein Wohnungsnutzungsgebot ausgesprochen – die Eigentümer können dann nicht mehr darüber verfügen. Ende zunächst offen. „Die Eigentümer werden wohl klein beigeben müssen“, erklär Torsten Flomm, Geschäftsführer des Haus- und Grundeigentümer-Verbandes Hamburg, und fährt fort: „Sicher kann man darüber streiten, ob diese Verordnung Sinn macht. Aber es ist ein Gesetz, das auch in Rahlstedt gilt.“

Info
Im Bereich des Bezirks-amtes Wandsbek wurden in diesem Jahr 64 Verfahren wegen des Verdachtes auf zweckentfremdete Wohnraumnutzung eingeleitet. 2015 waren es 139 Fälle. 42 Mal wurde in den ersten sechs Monaten 2016 Zweckentfremdung von Wohnraum festgestellt, das heißt, sie wurden als Ferien- oder Monteurs-Wohnungen angeboten. Ein Verfahren führte zu einem Wohnungsnutzungsgebot, mit dem die Rechte des Eigentümers eingeschränkt wurden. (ks)
Anzeige
Anzeige
1 Kommentar
11
peter walter aus Billstedt | 14.07.2016 | 16:28  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige