Zusatzstoffmuseum verrät, was im Joghurt steckt

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Schlicht und recht versteckt auf dem Gelände des Hamburger Großmarkts in Hammerbrook Foto: Schulz

Auf dem Gelände des Hamburger Großmarktes können Besucher die Welt der Geschmacks-Tricks entdecken

Von Barbara Schulz
Hamburg
Kann gut sein, dass der Himbeerjoghurt, den Sie kürzlich genossen haben, gar nicht mit Himbeeren, sondern mit Zedernholz aromatisiert war. Beileibe nicht die einzige Täuschung, die das Deutsche Zusatzstoffmuseum, das 2008 von dem Biologen Christian Niemeyer initiiert wurde, entlarvt. Das Museum liegt ähnlich versteckt wie die Lebensmittelzusätze auf dem Gelände des Hamburger Großmarktes. „Was? Bier wird mit Gelatine geklärt?“, ruft eine junge Frau, als Sven Hammerla, Biologiestudent und seit zwei Jahren im Museum tätig, erklärt, womit alkoholische Getränke wie Bier und Wein geklärt – also von Trübstoffen sowie unerwünschten Farb- und Aromastoffen befreit – werden. Die Krux: Da Gelatine hier als technisches Hilfsmittel gilt und kaum nachweisbar ist, muss sie auch nicht angegeben werden. Laut Hammerla wenden Carlsberg und ein paar weitere Brauereien nun andere Methoden an. Danach erzählt Hammerla schlau und witzig von den mehr als 7.500 Präparaten, die zur Herstellung von Lebensmitteln verwendet werden. Möglich, dass die Besucherinnen und Besucher in Zukunft „Clean Eating“ (Modewort für gesunde vollwertige Ernährung) bevorzugen und anders einkaufen, weil sie die Zutatenliste verstehen und wissen, dass sich hinter der Zutat „Hefeextrakt“ Glutamat verbirgt und die Angabe „Ohne Konservierungsstoffe“ nicht stimmen muss. Zur Illustration greift Hammerla nach einer Plastikschale Kartoffelsalat und zeigt auf den Vermerk „Ohne Konservierungsstoffe hergestellt“: „Hier befinden wir uns in einer Grauzone. Es kann sein, dass die Kartoffeln schon drei Wochen vorher gekocht, mit Konservierungsstoffen behandelt, eingelagert, abgewaschen und weiterverarbeitet wurden. Es könnte also noch ein Rest Konservierungsstoff an den Kartoffeln sein!“
Danach schnüffeln wir an zwei Riechproben, die nach Vanille duften, die eine zart, die andere buttrig-süß. Welch Wunder: die erste ist echte Vanille, die zweite aus Vanillin-Butter-Aroma. Nachdem Hammerla noch in Wallung geraten ist, weil auf einer Spargel-Tütensuppe „Ohne Farbstoffe“ steht („Farbstoffe? Spargel in der Suppe ist weiß!“), ist die Führung schon vorbei. Beim anschließenden Gang durch das 150 Quadratmeter kleine Museum fällt auf, wie detailverliebt es gestaltet ist. Außer der interaktiven Reise durch die Lebensmittelgeschichte und vielen Schaukästen gibt es die neue „Kasse der Zusatzstoffe“: Man legt ein paar Produktattrappen in den Einkaufskorb, geht zur Kasse und lässt sich vom Handscanner zeigen, welche Zusatzstoffe in den Lebensmitteln stecken. Die im Museum neu gewonnen Informationen sind wenig attraktiv, aber sehr nützlich. Das Museum ist eine Wucht – eine mit Lerneffekt.

Weitere Infos: www.zusatzstoffmuseum.de
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2 Kommentare
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Rainer Stelling aus St. Georg | 13.10.2016 | 20:19  
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Stephan Robausch aus Winterhude | 18.10.2016 | 17:45  
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