Gut integriert

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Natalie Rudi, Vorsitzende der Ortsgruppe Hamburg der „Landsmannschaft der Deutschen aus Russland“. Foto: privat

Landsmannschaft Russlanddeutsche

Meiendorf. Kaiserin Katharina die Große legte den geschichtlichen Grundstein: Zahlreiche Deutsche folgten ihrem Manifest von 1763 und siedelten sich an der Wolga und in der Ukraine an, wo sie überwiegend in der Landwirtschaft tätig sein sollten. Doch im Laufe der Jahre wurden die Privilegien abgebaut, Russisch wurde einhundert Jahre später Amtssprache und die deutsche Sprache 1914 sogar verboten, antideutsche Stimmung machte sich breit und im ersten Weltkrieg wurden die Russlanddeutschen als potentielle Verräter und Feinde bekämpft, was sich 1933 mit Beginn der nationalsozialistischen Machtergreifung wiederholte. 1941 wurden die Russlanddeutschen vom europäischen Teil der Sowjetunion nach Osten umgesiedelt, unter anderem nach Sibirien.

Vorurteile abbauen

In den fünfziger Jahren kamen die ersten zurück nach Deutschland. Damals wurde auch die Ortsgruppe Hamburg der „Landsmannschaft der Deutschen aus Russland“ gegründet. Auf Initiative von Natalie Rudi, stellvertretende Vorsitzende der Ortsgruppe, und Theo Karczewski (SPD-Bezirk Meiendorf), war im Februar die Wanderausstellung „Volk auf dem Weg. Geschichte und Gegenwart der Deutschen aus Russland“ in den Rahlstedt Arcaden zu sehen. „Die Ausstellung hat eine riesige Resonanz in der Bevölkerung gefunden. Das hat uns bewegt, mehr über uns zu sprechen.“ Denn sie weiß: „Spannungen in der Bevölkerung entstehen dadurch, dass man sich nicht so gut kennt.“ Deshalb möchte Natalie Rudi Vorurteile abbauen und das Schicksal der Russlanddeutschen mehr ins Blickfeld rücken. „Wir wurden rausgeschmissen aus dem Land, wo wir 200 Jahre gelebt hatten“, sagt sie mit Blick auf die Geschichte ihrer Landsleute und resümiert: „Wir mussten dreimal neu anfangen.“


Russischkurse geplant

Etwa 45.000 Russlanddeutsche leben in Hamburg, außerdem viele Russisch sprechende Mitbürger aus der ehemaligen Sowjetunion. „Die Russlanddeutschen haben in Russland sehr separat gelebt“, sagt Natalie Rudi. Hier ist das anders: „Wir sind Teil der Geschichte Deutschlands und fühlen uns als Deutsche“, betont sie und fügt hinzu: „Wir sind aufgrund unserer guten Ausbildung gut integriert.“ In den Familien werde wenig Russisch gesprochen: „Unsere Enkelkinder werden nicht Russisch können, wenn wir uns nicht kümmern.“ Wo ihr Zuhause ist? Klare Antwort: „In Deutschland. „Wenn man den Schritt gemacht hat auszuwandern, hat man einen Strich gemacht“, stellt die Meiendorferin klar.
Die Landsmannschaft will demnächst Russischkurse für Kinder aller Nationen anbieten, unter anderem auch in Meiendorf. Und im Januar ist für alle Kinder eine russische Neujahrsparty mit Maskerade geplant. (cm)
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