Ex-Imtech-Bosse vor Hamburger Gericht

Anzeige
Ex-Imtech-Bosse stehen wegen Untreue jetzt vor dem Landgericht Hamburg Symbolfoto: thinkstock Gericht
Hamburg: Sievekingpl. 1 |

Wegen Untreue müssen sich Klaus B. und Jörg Sch. vor dem Landgericht verantworten. Geld saß locker im Vorstand der insolventen Firma

Von Martin Jenssen
Wandsbek
Vor zwei Jahren erschütterte die Insolvenz von Imtech den Bezirk Wandsbek (das Wochenblatt berichtete). Die Firma residierte an der Hammer Straße. Arbeitsplätze gingen durch die Pleite der Deutschland-Zentrale des Konzerns verloren. Die Firma hatte den HSV gesponsert, gab dem Volksparkstadion seinen Namen. Imtech machte aber auch negative Schlagzeilen, so zum Beispiel beim Bau des Großflughafens in Berlin. Dort soll der Konzern, der seinen Hauptsitz in Gouda (Holland) hatte, mit Schmiergeldern gearbeitet haben.

Hintergründe für Insolvenz


Einige der Hintergründe, warum es zu der Imtech-Insolvenz kam, durchleuchtet ein Prozess, der jetzt vor dem Landgericht Hamburg begann. Der Prozess zeigt, wie locker in der Vorstandsetage mit Geld umgegangen wurde. Angeklagt wegen Untreue sind zwei ehemalige Imtech-Bosse aus Hamburg. Danach soll Klaus B. (62), der die Firmenniederlassung an der Hammer Straße bis zum Untergang leitete, an seinen Vorgänger Jörg Sch. (72) über 2,8 Millionen Euro aus dem Firmenkapital überwiesen haben. Laut Anklage floss das betrügerische Geld in 17 Zahlungen an Jörg Sch. oder an seine Frau Marianne. Weitere 29 Überweisungen gingen an eine Firma in Düsseldorf, deren Mitinhaber Jörg Sch. war.

Freundschaftsdienst unter Männern


Es war ein Freundschaftsdienst zwischen zwei Männern, die sich seit Jahren kannten. Der geschäftliche Aufstieg von Klaus B. begann in der Firma „Rudolph Otto Meyer Technik“ (R.O.M.), die der Hamburger Großindustrieelle Jörg Sch. leitete. Im Jahre 1997 wurde R.O.M. von dem niederländischen Konzern Imtech übernommen. Als Klaus B. als Chef von Imtech-Deutschland den Höhepunkt seiner Karriere erreicht hatte, ging es mit Jörg Sch. bergab. Der einst so erfolgreiche Geschäftsmann hatte sich mit Immobiliengeschäften verkalkuliert. Das Geld, das ihm Klaus B. quasi schenkte, benötigte er, um seine Schulden zu begleichen. Er versprach seinem Geschäftsfreund, das Geld zurückzuzahlen. Er habe erfolgreiche Projekte in der Türkei, in Dubai und in Tunesien angeschoben.

Umfangreiches Geständnis


Beide legten ein umfangreiches Geständnis ab. Jörg Sch.: „Alle Beträge habe ich zu Unrecht erhalten. Klaus B. hat keine Vorteile daraus gezogen. Ich wollte das Geld zeitnah zurückzahlen, aber es ist mir bis heute nicht gelungen, wieder Fuß zu fassen.“ Klaus B. erklärte: „Ich habe unzulässig gehandelt, und das bereue ich zutiefst. Jörg Sch. saß oft mit Tränen in den Augen vor mir und bat mich, ihm aus der Klemme zu helfen. Und ich ließ mich immer wieder überreden. Ich war mehr als naiv.“ Wie im Prozess bekannt wurde, sollen auch rund 35 Millionen Euro ohne Belege von der Filiale in Hamburg an den Hauptsitz des Konzerns in Gouda überwiesen worden sein. Die Urteilsverkündung ist für den 1. März vorgesehen. Den Angeklagten drohen Freiheitsstrafen zwischen zweieinhalb und viereinhalb Jahren.

Lesen Sie auch: Imtech-Mitarbeiter bangen um Job
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige